Nach den Jungsozialisten sind nun auch die Jungdemokraten in eine offene Krise geraten. Der bisherige Vorsitzende Hannspeter Knirsch trat zurück. Sein Nachfolger Detlef Ommen hält nicht viel von der FDP. Spaltet sich der FDP-nahe Jugendverband?

Das „Komitee für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit“ erwirbt sich, wenn das so weitergeht, noch einen legendären Ruf. Weil es unter der Obhut Pastor Niemöllers wegen der politischen Orientierung einiger Gönner und Förderer als DKP-nah eingestuft wird, ist die Mitarbeit bei Judos und Jusos heftig umstritten.

Die Jungsozialisten und ihr Vorsitzender, Benneter, kuschten vor der Drohung der Mutterpartei und verzichteten auf Teilnahme; die Judos entschieden sich mit knappen Mehrheiten während einer Sitzung ihres Hauptausschusses zuerst gegen, dann für eine Teilnahme, stimmten dann aber aus anderen Gründen wieder dagegen. Die einen wollten teilnehmen, sich aber inhaltlich abgrenzen; den anderen war das eher gleichgültig.

Unversehens lösten die Judos damit ein öffentliches Echo aus, das zu der irrigen Annahme verleiten könnte, sie stellten ein ernst zu nehmendes politisches Potential dar. Werner Maihofer erklärte die Judos zu einem Zeitpunkt, als sie immerhin noch heimlich an ihm hingen, Anfang 1974, mit Recht zu einer Organisation „fast ohne politische Relevanz“.

Die Judos haben sich mit viel Naivität, aber den verbalen Haudegen-Manieren von Polit-Veteranen von den Jusos abgrenzt. Das konnten sie leichter auf gleichsam exterritorialem Gelände: Sie gehören nicht automatisch der FDP an. Ein Teil von ihnen, der sich schon lange ganz von den Fesseln der Mutterpartei befreien möchte, hat den Streit um die Teilnahme am Friedenskomitee mit einer gewissen Inbrunst gesucht, um die alten Zöpfe endlich abzuschneiden.

Beide Judo-Flügel haben im Prinzip gegen eine Arbeit mit Kommunisten nichts einzuwenden; sie sind da seit Jahren unbefangener als de Jusos. Die FDP-Spitze hat sich lieber über die SPD-Linke mokiert und den eigenen Nachwuchs aus diesen und anderen Gründen nicht ganz ernst genommen.

So dramatisch ist die neue Standortbestimmung vermutlich auch gar nicht: Denn dahinter steckt nicht viel mehr als die Überzeugung, die Zusammensetzung des Komitees sei nicht sehr wichtig, „denn für uns werden politische Forderungen und Ziele nicht dadurch unglaubwürdig, daß sie auch von Kommunisten vertreten werden“. Die Judos haben es trotz jahrelanger Mühen nicht geschafft, ihren „liberalen Grundkonsens“ auszuformulieren, geschweige denn eine andere Theorie.

Der Zwist wiegt für die FDP aus anderem Grund schwer, und diese Sorge teilt sie mit dem Koalitionspartner. Ein Teil des Nachwuchses sieht sich von der FDP nicht mehr repräsentiert. Ihn zieht es in die Opposition oder – wo immer das sei – an die „Basis“. Die FDP-näheren bauen allerdings nach immer auf eine „Doppelstrategie“ in und außerhalb der Partei; die anderen sind im Begriff, auf die reformunwilligen Altvorderen zu pfeifen. In Niedersachsen haben sie wegen der Koalition mit der CDU die Mitarbeit bereits eingestellt, ein Entschluß, den kürzlich eine Mehrheit gegen den Vorsitzenden Knirsch billigte. Damals blieb er im Amt.

Daß die Liberalen in jene Grundsatzdiskussion aus den Zeiten des Freiburger Programms noch einmal anknüpfen werden, die auch ihnen eine Funktion gab, ist der Strohhalm, an den sich die Unentwegten klammern. Ohne Maihofer ist; das alles noch schwerer geworden, die Bedeutung weiter gesunken.

Gunter Hofmann