Film: „Numero Deux" von Jean-Luc Godard Bilder und Töne aus der Video-Fabrik

Bilder und Töne aus einer Fabrik namens „Sonitiiage". Es gibt nur einen einzigen Arbeiter hier, einen traurigen Mann mit schütterem Haar und dunkler Brille, der, umstellt von technischen Geraten, einen langen Monolog improvisiert: über sein Exil fern von Paris, über Maschinen und das Spiel mit Wörtern, über alte Freunde und neue Erfahrungen. Dazu disparate Bilder und Töne vom gemeinsamen MedienMarkt: Franz Beckenbauer und Bruce Lee, ein Porno und eine CGT Demonstration in Paris. Was tun mit all diesen ungeordneten Eindrücken? So beginnt „Numero Deux", 1975 von JeanLuc Godard in seinem Video Studio in Grenoble realisiert. Ursprünglich hatte es geheißen, Godard wolle, 16 Jahre danach, ein Remake seines ersten Films „Außer Atem" drehen, doch außer dem bescheidenen Budget hat „Numero Deux" nichts damit 2u tun. Der Video Arbeiter Godard erzählt keine Kinogeschichten mehr, er erzählt überhaupt keine Geschichten mehr, er, beobachtet mit seiner billigen, beweglichen Video Ausrüstung, die jedes Kind bedienen kann, das Leben einer Familie in Grenoble. Er nennt „Numero Deux" einen ethnologischen Film, der auch heißen könnte: „Die sexuelle Ökonomie bei den Bewohnern des unteren Grenoble Und Godard sagt: „Dieser Film ist nicht links oder rechts. Dieser Film ist vorne und hinten. Vorne sind die Kinder, hinten ist die Regierung "

Eine Familie wie andere: Die Frau erstickt in der Monotonie der Hausarbeit, den Mann macht seine Arbeit impotent, die Großmutter starrt ins Fernsehen, der Großvater schwadroniert von seiner revolutionären Jugend, die Kinder wachsen in die Hoffnungslosigkeit des lohnabhängigea Alltags hinein. Doch Godard lamentiert nicht mit sozialkritischem Naturalismus, er zerlegt, seine Beobachtungen in Bild- und Ton Collagen, reflektiert sie mit eingeblendeten Schriften. Er überwindet die herkömmliche Kino Technik mit den neuen Mitteln des Video Verfahrens, parzelliert die Leinwand in mehrere, gleichzeitig ablaufende, einander kommentierende MonitorBilder, die zusätzlich elektronisch verfremdet werden: kleine Fenster in der großen schwarzen Leinwand, Bilder mit Trauerrand, die die zwangsläufige Voyeur Perspektive des Machers wie des Betrachters bewußt machen.

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„Numero Deux", der Laborversuch eines Cineasten, der gelernt hat; der Ästhetik des narrativen Kinos zu mißtrauen, der dabei ist, mit neuen audiovisuellen Ausdrucksformen zu experimentieren und den Zuschauer an dieser Arbeit teilnehmen läßt. Der Video Arbeiter Godard, der mitseiner Vergangenheit radikal gebrochen hat und „Außer Atem" heute für einen faschistischen Film hält, sagt: „Der Film ist viel zu spezialisiert. Das bloße Faktum, daß man das Bild erst am nächsten Tag sehen kann, bringt es mit sich, daß man schon Spezialist sein muß, um zu wissen, was für ein Bild man will. Von dieser traditionellen Art der Filmarbeit will ich mich befreien; so viel Zeit beim Drehen und bei der Montage zu verbringen, das ist Fabrikarbeit im schlechten Sinn T, - r r

 
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