Fernseh-Rückschau Der HSV im Zerrspiegel

Ein Film, der zeigt, wie echt es in einem Bundesliga Verein zugeht: Jahrelang habe ich darauf gewartet und werde, nun, wo ein solcher Film vorgeführt worden ist, wohl wieder Jahre warten müssen, bis — vielleicht — eines Tages doch mal einer kommt, der all das bringt, was in dem Film über den HSV nicht zur Darbietung kam — in dieser dilettantischen Dokumentation, deren Anspruch („ein Stück Zeitgeschichte") in keinem Verhältnis zu dem Geleisteten stand.

Nein, läppischer gehts wirklich nicht. Statt, zum Beispiel, in der Halbzeitpause in Erfahrung zu bringen, mit Hilfe welcher Mittel es ein Trainer schafft (oder auch nicht), seine 0:2 im Rückstand liegende Mannschaft wieder aufzurichten, statt den Entwurf taktischer Finessen zu zeigen (und nicht nur kuriose Allgemeinheiten, wie sie gewitzte Manager und Trainer gern vor den Kameras sagen: „Der Gegner will den Ball bekommen. Das müssen wir verhindern „Rudi, denk an den Kampf und nicht an den Fuß „Der MSV Duisburg ist eine typische Mannschaft aus dem Westen. Daran müssen wir denken "), statt einen Manager über Bilanzen, einen Trainer über Strategie, einen Spieler über das Problem „Spiel ist Arbeit" und einen Fan über die Möglichkeit zu befragen, welcher Art die Identifikation mit ständig wechselnden, zusammengekauften Mannschaften denn nun eigentlich sei, kurzum, statt zur Sache zu kommen, führten sich die für diese Vorführung verantwortlichen Herren aus Bayern wie Philharmoniker auf, die versehentlich in eine Box Arena geraten: cis moll beherrscht, aber keine Ahnung von Tuten und Blasen!

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Und so kam es denn, daß die Kameras minutenlang auf dem Mobiliar der Befragten verweilten (Motto: sag mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist), um auf diese Weise den Unterschied zwischen dem Geschmack eines GeneralManagers und dem eher bescheidenen Gusto eines Trainers zu veranschaulichen: Hier Berthold Beitz, dort Turnvater Jahn. So kam es, daß ein Fan, zum Clown verdinglicht, einen SchreiKasper und ein Spieler („Mein Mann", sagte Frau Reimann, „braucht vor allem Ruhe") einen Mann aus dem Volk markieren mußte — ungelenk, brav und dankbar für seinen Aufstieg. Information? Fehlanzeige. Der Streit zwischen Krohn und Klötzer wurde selber in der Hamburger „Morgenpost" nuancenreicher interpretiert als in den konzeptionslos aneinandergereihten Bildern eines Teams, das über kleinen optischen Gags sein Thema vergaß und, verliebt in zusammengeschnippelte Impressiönchen, die Tatsache aus den Augen verlor, daß es im Fall Fußball, schließlich etwas zu erzählen gibt: Vom Drill und von dessen möglicher Aufhebung, vom Spezialistentum der Alleskonner, vom Spiel, das zur Sache, und von der Improvisation, die zum, Bestandteil der Planung geworden ist.

Das Fußballspiel und seine Widersprüche — Show und Reglement, Kalkül und Freiheit, Ökonomie und Zufall wieviel wäre, am Beispiel des HSV, darüber in amüsanter Weise zu sagen gewesen, wenn die Autoren eine Konzeption gehabt hätten (Vor allem: Bringt der Fußballsport eine pervertierte Leistungsgesellschaft auf den Begriff oder macht er auch Möglichkeiten deutlich, die auf eine Überwindung dieser Drillgemeinschaft hinweisen eine Überwindung nicht nur auf dem grünen Rasen?) Welche Chance verspielt!

Fazit: Der HSV ist besser als dieser Film. (Schließlich besteht er aus Profis )

 
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