Die neue Schallplatte
Hervorraeend
1582, war Kapellmeister an der Florentiner Kirche San Lorenzo, als er 1608 mit dem Auftrag, für die Hochzeit des Erbprinzen von Mantua eine Oper zu schreiben, eines der besten Zeugnisse seines Könnens erhielt, das in jenen Jahren, zu vergeben war: Mantua war damals eines der wichtigsten Zentren der neuen Gattung Oper (Das Libretto von Rinuccini ist übrigens hochberühmt; es diente schon für die erste wirkliche Oper, 1598, mit der Musik von Per! und Corsi). Anders als die Rekonstruktionen von Barock Opern durch Nikolaus Harnoncourt enthält sich die vorliegende Aufnahme der affektgeladenen schwebenden Dynamik und der wechselnden Metren. Hier ist etwas straffer gearbeitet, mit sehr „geradem" Ton, mit klarer Akzentuierung auf den Takt Schwerpunkten, wie wir es zu tun gewohnt sind. In der Orchestrierung wurden lediglich Holzund Streich- sowie diverse Zupfinstrumente verwendet, das macht eine Charakterisierung etwas schwieriger, erleichtert aber das Hören (Solisten, Mohteverdi Chor und Camerata Accademica Hamburg, Leitung: Jürgen Jürgens; DGG Archiv 2533 348) bei dem unverkennbar die New Yorker AvantgardeBand The Velvet Underground Pate stand. Wie seinerzeit Lou Reed baut der Gitarrist und Sänger Tom Verlaine (ein Pseudonym, das trefflich auf die Narzißhaftigkeit seiner Musik verweist) die Kompositionen um minimalistische Rhythmus Riff s herum auf und beschwört mit ekstatischem Sprechgesang empfindsame Psychodramen. Die Texte sind in ihrer bisweilen rätselhaft konfusen Metaphorik eher Litretti für imaginäre Horrorfilme, und vielleicht muß man auch New York als Alptraum erlebt haben, um die sprunghaft assoziative Lyrik dieser Songs zu verstehen. Von einem Meister wie Bob Dylan unterscheidet Tom Verlaine meiner Meinung nach aber immer noch, daß es manche seiner Schwächen — auch die klanglich „dünne" und nicht so gut abgemischte Produktion dieses Debüts — für schiere Genialität hält (Elektra ELK 52 046) . eines Frühlings hat eins der sieben Stücke animiert, die der durch seine Popmusik Version von Slraußens Tondichtung „Also sprach Zarathustra" populär gewordene Brasilianer Eumir Deodato hier mit seiner Gruppe spielt. Von Natur oder Natürlichkeit ist gleichwohl nichts zu spüren: glatte, schlackenlose Industriemusikware, enorm ausgefeilt in allen Details, ausgestattet mit vielen elektroakustischen Effekten, frei von jeglicher (musikalischerX Schwankung. Diese anJazz oder Rock erinnernde, mechanisch ablaufende Popmusik zündet nicht, es springen nicht einmal Funken, sie ist nur perfekt gemacht und gänzlich temperaturlos (MCA RecordsTeldec 62021) , Manfred Sack Punk Rock Gruppen, die ihre mit simplen elektronischen Effekten garnierten Parodien auf den britischen Rhythm & Blues der frühen sechziger Jahre als psychedelische Horror Show und als akustische - Transsexuellen Werbung präsentiert „Dangerous rhythm in the air!" warnt Sänger Johnny Foxx, aber was die Gruppe praktiziert, ist nichts anderes als der Ausverkauf von ehemals originellen RockmusikKonzepten der Pink Floyd, Roxy Music und David Bowie (Island 28 193) Franz Schälen
- Datum 20.05.1977 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.5.1977 Nr. 21
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