Die Predigt der Gewalt

Früher nannte man sie Chaoten. Heute heißen sie K Gruppen. Diese Bezeichnung ist besser. Der Begriff Chaoten unterstellt ein widersprüchliches, irrationales Verhalten. Tatsächlich aber verbinden die Mitglieder der maoistischen Organisationen ein hohes Maß von Disziplin mit engagierter Opferbereitschaft. Sie haben ihr persönliches Leben weitgehend ihren revolutionären Zielen untergeordnet. Der Name Chaoten sondert sie außerdem von der Partei Moskauer Prägung, der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), die als berechenbar eingestuft wird, ab. In Wirklichkeit unterscheiden sich Maoisten und Moskau Kommunisten nur in der Taktik im Kampf für das identische Ziel, die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats.

Die DKP begründet ihre Programmatik mit Marx, Engels und Lenin. Daneben gibt es in der Bundesrepublik vier überregionale Gruppierungen, die sich außerdem noch auf die Lehren von Mao Tse tung berufen. Es sind dies die maoistischen Organisationen:

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Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), Kommunistische Partei Deutschlands MarxistenLeninisten (KPDML), Kommunistischer Bund Westdeutschlands (KB W), Kommunistischer Bund (KB).

Drei dieser Organisationen verstehen ich als Parteien und haben sich an allgemeinen Wahlen beteiligt, zuerst die KPDML mit ihrer Beteiligung an der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft im März 1974. Der KB hat bisher bei Wahlen nur Empfehlungen für die eigenen Anhänger innnerhalb der Organisation diskutiert und in seinen Zeitungen publiziert.

Die Maoisten bilden heute einen Faktor, der bei politischen Grundkonflikten in der Bundesrepublik stets ins Kalkül gezogen werden muß, weil sie die Kontinuität ihrer Existenz durchgesetzt haben. Die taktische Ausnutzung solcher Konflikte ist Teil einer langfristigen Strategie. Sie mobilisiert die Kader, gewinnt neue Anhänger und provoziert Reaktionen, die den publizistischen Aktivitäten Stoff und Auftrieb geben. Die Organisationen des Maoismus sind aus der Bewegung der Neuen Linken hervorgegangen, die eine Wurzel in der Protestbewegung der Studenten hätte. Sie verstehen sich als Formationen der kommunistischen Bewegung, verlassen sich jedoch nicht mehr auf Spontaneität, sondern auf kontinuierliche politische Aufbauarbeit und taktisches Handeln.

Sie wollen den freiheitlichen demokratischen Staat und seine Institutionen zerschlagen. Er ist für sie der bürgerliche Staat des Kapitalismus. Statt, seiner wollen sie unter der Diktatur des Proletariats durch die sozialistische (proletarische) Revolution den Sozialismus aufbauen. Drei der Organisationen — KPD, KPDML und KBW — haben ihre politischen Ziele in Programmen formuliert, welche die Grundlage des politischen Handelns sind. Gemeinsam sind KPD, KPDML und KBW der Auffassung, daß in der Sowjetunion nach dem Tode Stalins der moderne Revisionismus gesiegt, und, daß die Sowjetunion sich unter seiner Herrschaft zu einer sozialimperialistischen Macht entwickelt hat, die mit den imperialistischen USA auf Weltebene um die Macht kämpft.

KPD und KPDML nennen den modernen Revisionismus den Hauptfeind in der Arbeiterfbewegung. Beide Parteieil treten für ein „unabhängiges, vereintes, sozialistisches Deutschland" Der KBW beschränkt seine programmatischen Ziele auf die Bundesrepublik. Nach seiner Auffassung muß das westdeutsche Proletariat zuerst die westdeutsche Bourgeoisie schlagen und die Bundesrepublik aus dem Imperialismus herausbrechen, ehe die Frage der Wiedervereinigung auf die Tagesordnung gesetzt werden kann.

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