Eine Bürgerinitiative auf Formentera kämpft gegen touristischen Größenwahn Eine Insel ruft SOS

Formentera, die kleinste und südlichste der vier Baleareninseln, ruft um Hilfe, Was in einer jahrhundertelangen Geschichte der Invasionen, Zerstörungen und Plünderungen weder den Wandalen noch den türkischen Piraten oder den Arabern gelungen ist — die spanischen Fremdenverkehrsplaner könnten es fertigbringen. Der Bebauungsplan, der zur Zeit in Formenteras Rathaus ausliegt, ist ein Dokument touristischen Größenwahns.

Die Zahl der Hotelbetten auf der nur 84 Quadratkilometer großen Insel, die vor wenigen Jahren noch als Geheimtip galt, soll in den nächsten fünf Jahren verdoppelt werden. 12 000 Urlauber werden sich, wenn es nach den Wünschen der Behörden geht, die idyllische Insel mit 3500 Einwohnern teilen.

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In drei Großprojekten an den langen weißen Stranden bei den Salinen will man die erwarteten Touristenherden unterbringen. Geplant ist außerdem ein Hubschrauberlandeplatz und im Süden ein Golfplatz, dort, wo heute noch wilde Ziegen grasen. Eine Müllverbrennungsanlage auf einer der beiden Anhöhen, der „Mola", soll den krönenden Abschluß auf Formenteras Weg in die Zukunft bilden.

Während anderswo für touristische Dollar und Mark noch jede Landschaftsverschandelung gern in Kauf genommen wird; setzen sich die Formeiiteraner zur Wehr. Vor nicht allzu langer Zeit noch waren sie selbst Feuer und Flamme für den Fremdenverkehr, die Haupteinnahmequelle der Insel, die zur Zeit der Römerherrschäft „Frumentaria" (Kornkammer) hieß. Eine Klimaveränderung stoppte den Kornsegen, brachte Trokkenheit und Wassermangel mit sich, so daß die gesamte Vegetation heute eher karg ist: Die Folgen eines maßlosen Ausbaus der Bettenkapazität, so fürchten die Einwohner jetzt, könnten sie auch noch um ihre einzigen konstanten Einnahmequellen neben dem Fremdenverkehr bringen: den Fischfang und das bißchen Landwirtschaft. Eine Bürgerinitiative kämpft nun gegen den Plan des übereifrigen Bürgermeisters und seines neunköpfigen Stadtrats, die von finanzkräftigen Bauunternehmen unterstützt werden. Sie plädiert für ein „begrenztes Wachstum, des Tourismus in Form kleiner Hotels mit maximal einem Stockwerk und Bungalows".

Rund 1000 Insulaner, das sind 65 Prozent der Bevölkerung über 21 Jahre haben den Protestbrief der engagierten Gruppe bereits unterschrieben. Er soll in Madrid „an höchster Stelle" vorgelegt werden. In dem Schreiben heißt es: „Die urwüchsige Schönheit der Insel wird vernichtet, die Ökologie aus dem Gleichgewicht gebracht, die noch intakte Sozialstruktur zerstört. Meer und Land werden verseucht. Und das alles ohne Zustimmung der Einheimischen, ohne irgendeinen Vorteil für die Insel, ohne die aktuellen Probleme zu lösen (Gesundheitswesen Erziehung, Kultur), ohne die Mensdien zu berücksichtigen, die Jahr für Jahr die Insel besuchen, um hier Ruhe und Natur zu, genießen "

Außerdem befürchten die stolzen, bisher autarken Formenteraner, „zu Bauarbeitern und Kellnern im Dienste eines Spätkapitalismus degradiert zu werden", wie in einem Brief an ausländische Formentera Freunde zu lesen steht. Der „SOS Ruf aus Formentera zur Rettung eines der letzten Refugien des Mittelmeers" geht alle an, die verhindern wollen, daß wieder einmal ein Fleckchen Erde durch die Profitgier einiger Bauunternehmen und die Großmannssucht der örtlichen Verwaltung zerstört wird. Erfreulich ist, daß die Betroffenen selbst ein Einsehen haben, bevor es vielleicht zu spät ist.

Wer die Insulaner unterstützen will, soll sein Protestschreiben möglichst schnell an folgende Adresse richten: Apartado de Correo No 24, San Francisco de Javier, FormenteraBaleares, Spanien.

 
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