Erstes Treffen Carter - Assad in Genf

Mit dem Genfer Treffen zwischen Jimmy Carter und Hassef Assad ist das nahostpolitische SprechstundenVerfahren, für das sich der US Präsident nach seinem Amtsantritt entschied, eine wichtige Runde vorangekommen. Zu allen vier „Frontstaaten" Israel, Ägypten, Jordanien und Syrien sind neue Fäden gesponnen und persönliche Beziehungen hergestellt worIm Februar war Außenminister Vance nach Israel undi Arabien gezogen. Im März pilgerten Yitzhak Rabin und Anwar Sadat nach Amerika. Jetzt machte sich auch der Syrer Assad auf die Reise in den Westen, aber erst nachdem er Moskau besucht hatte: Zudem kam Assad dem amerikanischen Präsidenten bloß auf halbem Weg entgegen, nur bis ins neutrale Genf. Dabei wurde nichts überstürzt; Assad konnte es sich leisten, Annäherung zu praktizieren und doch demonstrativ Distanz zu wahren.

Der erste Kontakt des Damaszener Machthabers mit Jimmy Carter, stand jedenfalls im Zeichen syrischen Selbstbewußtseins. Assad hatte keinen Wahlkampf vor sich, wie seinerzeit der flügellahme Rabin, als dieser zum ersten und letzten Mal zu Gärter fuhr. Assad hatte keinen Volksaufstand hinter sich, wie damals Ägyptens Präsident Sadat, als er seine Antrittsvisite im neuen Washington machte. Und Assad plagten auch keine akuten Existenzsorgen wie König Hussein, der erst kürzlich im Weißen Haus wieder um amerikanische Gunst buhlen und um den Weiterbestand seiner Haschemiten Dynastie betteln mißte.

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Der Syrer dagegen konnte dem USPräsidenten in Genf handfeste Trümpfe bieten:

Syrien ist zur dominierenden Ordnungsmacht in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen und ganz Arabien gefährdenden Libanon geworden.

Syrien hat die widerspenstigen, aber auf ihre libanesischen Stützpunkte- angewiesenen Palästinenser an straffe Zügel gelegt und in die nahostpolitische Zucht genommen.

Syrien ist Eckpfeiler jener heiligen Dreier Allianz zwischen Riad, Kairo und Damaskus, die im arabischen Lager gegenwärtig Regie führt, für Ruhe, Ordnung und Mäßigung sorgt.

Syrien ist gleichzeitig auch Drehscheibe, auch nach links hin salonfähig geblieben, ein von Moskau umworbener, mit Sowjetwaffen hochgerüsteter Partner des Kreml, der sich allerdings durch keinerlei Freundschafts- und Beistandsverträge oder Stützpunktabkommen einfangen läßt.

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