Filmtips
Jahre hat dieser unauffällige kleine Schwarzweißfilm aus Frankreich gebraucht, bis er — seltener Glücksfall — im Original mit deutschen Titeln den Weg ins Programm einiger anspruchsvoller deutscher Kinomacher fand. Spektakulär ist denn auch nichts an der Episode aus dem Leben eines 19jährigen Bäckerlehrlings, der innerhalb weniger Tage seine Arbeitsstelle verliert, dem die Freundin davonläuft, weil sie die Menage ä tröis mit einer munteren, unkonventionellen Schwedin nicht verkraftet. Doch gerade das Unspektakuläre, das scheinbar Beiläufige der Inszenierung gibt Doillons Porträt einer Jugend im Aufbruch immer wieder überraschenden Reiz und Charme. Anders als in Jean Eustaches dreistündiger Tour de force „Die Mama und die Hure", deren Einfluß dennoch unverkennbar ist, wird der Zuschauer nicht mit Bekenntnissen überschüttet, sondern die Schauspieler — das Wort bekommt einen merkwürdigen Klang, so dokumentarisch wirkt ihr ruhiges, präzises Spiel — lassen ebenso wie Kamera und Regie Raum zur Beobachtung und zur Reflektion. Doillon erschlägt uns nicht mit Thesen über unsere soziale Wirklichkeit, entwickelt kein abstraktes Modell, sondern konfrontiert uns mit einem kleinen Stückchen Leben. Und das Resultat ist spannender als ein hochartifizieller Thriller.
Tomft in einer renommierten Münchner Ballettschule wird eine junge Amerikanerin (Jessica Harper) Zeugin eines ebenso grausigen wie mysteriösen Mordes. Unerklärliche, bedrohliche Ereignisse häufen sich, und lange bevor Udo Kier eine kurze Lektion über Hexen gibt, ist dem Zuschauer klar, daß hier wieder einmal die im Film modisch gewordenen teuflischen Mächte ihr blutiges Spiel treiben. In einer langen Reihe von Exorzisten Epigonen ist Regisseur Argento freilich einer der untalentiertesten: Zähflüssig und wirr schleppt sich die Story dahin. Und die einzige Frage, die interessiert, bleibt, wie sich Schauspielerinnen wie Joan Bennett und Alida Valli in diesen Film verirren konnten; Franz Antel ist weder eine Parodie noch eine Persiflage der amourösen Abenteuer Giacomo Casanovas, sondern eine plumpe Aneinanderreihung von „Playboy" Tableaux: ein Abschreibungsfilm, der als schnelle Sexposse etwas vom Fellini Ruhm abzustauben sucht. Tony Curtis in einer Doppelrolle als impotenter Giacomo und dessen draufgängerisches; Double Giacomino muß sich durch eine Verwechslungsklamotte albern und vom Wortdrechsler Rainer Brandt („Die Zwei") die gewohnt verkrampften Kalauer in den Mund legen lassen. Das recht beachtliche Aufgebot der Damenriege (Marisa Berenson, Marisa Mell, Sylva Koscina, Britt Ekland, Andrea Ferreol, Olivia Pascal) läßt seinen derzeitigen Kursr wert als Star, Exstar oder Starlet buchstäblich „absehen" am Grad der jeweiligen Entblößungen. Darin liegt der spärliche Witz dieses banalen Bett „Rcports": daß man ihn so nebenbei als Image Barometer betrachten kann.
binder „Numero Deux" von Jean Luc Godard (s. Seite 44) „Schwarzer Engel" und „Carrie" von Brian De Palma „Die Geschichte der Adele H vonFrancois Truffaut.
- Datum 20.05.1977 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.5.1977 Nr. 21
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







