J.M-M.: Kampf der Gleichgültigkeit

Die Pariser Zeitung France pagne contre lindifference"

aufgerufen, zum Kampf gegen die Gleichgültigkeit am Schicksal des Nächsten. Und zwar meinte dieser Aufruf nicht etwa ganz allgemein, wir sollten grundsätzlich mehr Menschenliebe aufbringen.

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Das vielgelesene französische Blatt geht von bestimmten Fällen aus, die leider zu den Alltäglichkeiten gehören, und bittet seine Leserschaft, Erlebtes und Beobachtetes mitzuteilen.

Gemeint sind Geschehnisse wie diese: In einer U Bahn fallen vier „Halbstarke" über zwei ihnen völlig unbekannte junge Schüler her, prügeln sie blutig — „nur so" und „aus Spaß" —, und die Passagiere des Wagens rücken zusammen und rühren keinen Finger.

In einer Kneipe schlagen zwei Männer auf einen dritten ein, den sie vorher nie irgendwo gesehen hätten, ohne daß der Wirt, geschweige die anderen Gäste eingreifen. Am ehesten erkennen noch die Schläger selbst, daß der Zustand des Überfallenen für sie gefährlich ist. Sie schleppen ihn in ihren Wagen, fahren ihn aus der Stadt heraus, legen ihn an einem Bahndamm nieder, wo er Stunden später stirbt.

Auf dem Trottoir eines Pariser Vorortes liegt einen vollen Vormittag hindurch ein von einer Herzattacke geplagter Mann.

Passanten gehen um ihn herum, steigen über ihn hinweg , In einer Wohnung, verletzen Einbrecher bei Nacht einen Bewohner schwe Der schleppt sich mit seiner Schußwunde ins Treppenhaus und ruft noch eine Stunde lang um Hilfe, ehe er ohnmächtig wird. Viele haben seinen Hilferuf gehört; niemand hat seine Tür geöffnet „Wir hatten Angst", sagten alle. Der Schwerverletzte, übrigens ein Kranken Wärter -wurde erst von Arbeitskollegen, die ihn vermißten, ins Hospital gebracht.

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