Konkurrenz belebt das Geschäft
Postminister Kurt Gscheidle rijhpt wieder einmal seine Werbetrommel: „Das Postpaket bringt die Deutsche Bundespost. Und sonst keiner", verheißt die Post in Zeitungsinseraten. Zugleich verspricht sie der Kundschaft: „Wenn ein Paket zuverlässig überall hinkommt, ist es das Postpaket Denn die 30 000 Paketzusteller der Post „sind ortskundig, bekannt und genießen Vertrauen".
Die Werbung der Post für ihren Paketdienst hat gute Gründe. Seit Mitte vergangenen Jahres haben sich private Paketbeförderer in den bisher überwiegend der Post vorbehaltenen Paketmarkt gedrängt. Zwar läßt Kurt Gscheidle auch untersuchen, ob er gegen die Konkurrenz notfalls mit juristischen Mitteln vorgehen kann, zunächst aber will er gegen die Herausforderung mit marktwirtschaftlichen Methoden zu Felde ziehen, also die Kunden mit besseren Leistungen für sich gewinnen. Während der Vorsitzende der Deutschen Postgewerkschaft, Ernst Breit, abermals ein Paketmonopol für die Post fordert (siehe Kurzintervjew Seite 24), erklärte Kurt Gescheidle vor wenigen Tagen: „Unser Ziel ist nicht ein Monopol der Post, wohl aber gleiche Bedingungen im Wettbewerb. Wir nehmen die Herausforderung der Konkurrenz an und begegnen ihr mit allen vertretbaren Mitteln "
kurzem offeriert die Pest ihren Paketkunden daher zwei Neuerungen:
Der Paketrückhol dienst ermöglicht dem Empfänger, bestellte Warensendungen etwa bei Nichtgefallen wieder an den Versender zunickzuschicken, kostenlos und ohne Mühe, denn die Post holt das Paket wieder bei ihm ab.
Das Inkasso- Verfahren, die Nachnahme bei Päckchen und Paketen, wurde endlich der Zeit angepaßt. Der Versand per Nachnahme — bisher maximal i 000 Mark — ist neuerdingst bis zum Wert von 3000 Mark möglich.
Zwei weitere Neuerungen werden in Kürze angeboten. Die von vielen Paketempfängern als lästig empfundene Paketzustellgebühr kann künftig schon vom Versender bezahlt werden, was die Zustellung ebenfalls erheblich erleichtert. Ferner will die Post alles daran setzen, die Laufzeit der Pakete zu verkürzen. Die neue Devise lautet: E plus eins im Nahbereich und E plus zwei im Fernbereich. Das heißt: Die Pakete sollen einen Tag beziehungsweise zwei Tage nach postalischer Einlieferung durch den Absender beim Empfänger sein.
Um dieses Ziel schnell bundesweit zu erreichen, hat die Post mit der Bundesbahn, ein neues Postzugsystem ausgetüftelt und eine Umstellung ihrer gesamten Transportorganisation eingeleitet, die so rasch wie möglich abgeschlossen werden soll, Weiter ausgebaut werden soll auch die 1973 begonnene Kooperation zwischen der Bundespost und den Versandhäusern. Für Paketsendungen, die der Versandhandel auf eigene Rechnung nach Postleitzahlen vorsortiert und in Spezialcontainern verpackt, gewährt die Post Gebührenrabatt. Nach Ansicht der Post hat sich das System bewährt. Der Handel blüht. Mit Ausnahme des Otto- Versands, der mit dem Hermes- Versand seit langem über ein eigenes Zustellsystem verfügt, sind nahezu alle großen Versandhäuser in das Rabatt Geschäft mit der Post eingestiegen. Rund 25 Millionen Pakete pro Jahr (etwa zehn Prozent des gesamten Paketaufkommens der Post) werden im Koop- Verfahren transportiert. Ein Sprecher der Post freut sich über seine zufriedene Versandhaus Kundschaft: „Gekündigt hat noch keiner Mehr noch: Das KaffeeVersandhaus Tchibo lobt den Service der Post über den grünen Klee. Günter Zybala über die Post: „Tchibo kann seinem alten und neuen Partner bestätigen, daß das Hand in Hand Arbeiten erfolgreich war und ist Erfolg verspricht sich die Post auch von einer neuen Variante im Kooperationsgeschäft. Für den Versand von Kleidungsstücken wurden — zusammen mit dem Versandhaus Quelle — spezielle Kleiderbehälter konstruiert, in denen Kleider und Anzüge nun knitterfrei zum Kunden verschickt werden können.
- Datum 20.05.1977 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.5.1977 Nr. 21
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