...was mit der 'Scheersberg A' geschah"
Noch heute, achteinhalb Jahre danach, weiß Herbert Scharf „absolut nichts". Fast empört weist er alle Fragen zurück: „Ich bin über die ganze Geschichte nicht orientiert Die gleiche Auskunft habe er im übrigen schon Anfang 1969 „den Herren vom Geheimdienst" gegeben.
Zwar bescheinigen dem 79jährigen Scharf frühere Mitarbeiter, daß er „nicht mehr über das allerbeste Gedächtnis verfüge", aber erstaunlich ist die Unkenntnis schon: Herbert Scharf war 75 Prozent Eigner der 1974 in Konkurs gegangenen und 1975 gänzlich erloschenen Asmara Chemie GmbH in Hettenhain (heute Bad Schwalbach), die ins Zentrum wildwuchernder Gerüchte um eine Uran Affäre geraten ist.
Zweihundert Tonnen Natururan, so war rechtzeitig vor dem Londoner Wirtschaftsgipfel, auf dem die Amerikaner den Europäern ihren zu leichtfertigen Umgang mit Uran und uranhaltigen Geschäften vorhielten, an die Öffentlichkeit geraten, sind im November 1968 irgendwo im Mittelmeerraum „verschwunden". Und obwohl der sensible Rohstoff deutschen Boden nie berührt hat, spielt die Asmara in allen Publikationen, Spekulationen, Teilwahrheiten und Falschmeldungen als Auftraggeberin oder Maklerin die entscheidende Rolle. Und ihr früherer Eigentümer wüßte nidits von alledem?
Er hat dafür nur eine Erklärung: Irgend jemand, den er nicht kenne, habe wohl den Narnen seiner Firma mißbraucht. Die gleiche Meinung vertritt Wilhelm Bargon, Ex Prokurist von Scharf bei der Asmara, heute Chef der Handelscfirma Scharf Chemie in Wiesbaden, deren Anteile er vor einigen Jahren von Scharf erwarb. Bargon „weiß selbst nichts von der Sache. Irgendwelche Leute haben einfach unseren Namen benutzt".
„Wir waren doch für solche Geschäfte viel zu klein", sagt er. Emulsionen und Farbstoffe habe die Asmara produziert und verkauft, als Hilfsmittel für das Bedrucken von Textilien — Jahresumsatz eine bis 1 5 Millionen Mark. Und wie um zu beweisen, daß für seinen früheren Chef derlei Uran Transaktionen eine Nummer zu groß gewesen wären, schildert er die Ursache für den Asmara Konkurs: Basis aller Produkte, die auch an die Bundeswehr, geliefert wurden, war Rohöl. Und als dafür 1974 plötzlich der vierfache Preis zu bezahlen war, verkaufte Scharf seine Waren immer noch zu alten Konditionen.
Immerhin, auch nach dem Ende blieb Scharf das Gründstück in Hettenhain — dort wird heute Hundefutter produziert —, blieben ihm neben der Wohnung in. Wiesbaden Appartements in Italien und Österreich.
Keinerlei Theorie hat nach all den Jahren Herbert Schulzen, einst 25 Prozent Partner von Scharf bei der Asmara, heute Chemiker in Bad Schwalbach. Er will gewiß „keinen Kommentar" geben, nicht einmal die Mißbrauchsvermütung aussprechen. Er räumt lediglich ein, Scharf habe damit „wohl" recht. Für ihn ist „das alles jetzt Sache der politischen Stellen". Der einzige Ärger, den er zu äußern sich erlaubt, ist der, daß die Bevölkerung Bad Schwalbachs von all den unwahren Veröffentlichungen so verschreckt sei, daß sie nun überall in der Umgebung Uranlager vermute.
- Datum 20.05.1977 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.5.1977 Nr. 21
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