Von Manuela Reichart

Auf einem Treffen zum Thema Frauenliteratur stellte, eine Teilnehmerin die Frage: „Gibt es für euch Bücher, von denen ihr sagen könntet: das und so kann nur eine Frau geschrieben, haben?“ Es ging nicht um die sogenannten „frauenspezifischen Themen“. Gefragt war nach dem Umgang mit der Sprache, danach, wo Frauen beginnen, an der herrschenden Sprache zu rütteln, sie auf ihre frauenfeindlichen Nomenklaturen und Metaphern zu befragen.

Gibt die Sprache den Frauen die Möglichkeit, einen eigenen Diskurs zu entwickeln? Die Frage findet für mich eine Antwort in den beiden Büchern von –

Luce Irigaray: „Waren, Körper, Sprache – Der ver-rückte Diskurs der Frauen“; Internationale Marxistische Diskussion 62, Merve Verlag, Berlin, 1976; 80 S., 7,– DM.

und

Luce Irigaray: „Unbewußtes, Frauen, Psychoanalyse“; Internationale Marxistische Diskussion 66, Merve Verlag, Berlin, 1977; 112 S., 9,– DM.

Nicht nur, daß Luce Irigaray, die in Philosophie promoviert hat und heute als praktizierende Psychoanalytikerin in Paris lebt, immer wieder thematisiert, was weibliche Sprache sein könnte, sondern sie schreibt auch selber auf eine Weise, die das Andere und Neue ahnen läßt, das, was sie „Frau-Sprechen“ nennt. Irigary will nicht mehr schreiben, wie man(n) schreibt, nicht über die Frauen theoretisieren; sie läßt sich selber als immer schon Betroffene, als Frau, nie aus. Dennoch, ihre Themen sind sehr abstrakt: Psychoanalytische Theorie des Weiblichen, Sprachtheorie, Autoerotik der Frau, Homosexualität, Kritik der marxistischen Theorie.