Die neue sechsprozentige Bundesanleihe ist bei den Anlegern auf keinerlei Gegenliebe gestoßen. Die institutionellen Investoren haben schon weit vorausdisponiert und deshalb für neue Emissionen vorerst keinen Bedarf. Für die privaten Sparer sind die Konditionen nichtattraktiv genug. Überdies gibt es unüberwindliche Hemmungen, Titel mit so langer Laufzeit zu erwerben. Deshalb wird der größte Teil der neuen Anleihe zunächst bei den Konsortialbanken hängenbleiben. Durch Rückgabe anderer Emissionen verschaffen sich die Kreditinstitute zwar etwas Luft, aber Abgaben größeren Stils sind auf dem Rentenmarkt nur bei weichenden Notierungen möglich.

Es hätte nahegelegen, angesichts der herrschenden Marktlabilität die Laufzeit der Bundesanleihe etwas zurückzunehmen. Aber es gebietet offensichtlich das Prestige des Bundes, keine Emission zu schlechteren Konditionen aufzulegen als vorher Bundesbahn und Bundespost.

Auch bei den auf Mark lautenden Auslandsanleihen gab es Minuskorrekturen. Genau wie im inländischen Bereich ist dafür eine gewisse Marktüberforderung verantwortlich. Kaum Schwierigkeiten wird es bei der Unterbringung der 100-Millionen-Anleihe der Republik Argentinien geben. Vorgesehen sind ein Nominalzinssatz von 7 1/2 Prozent, eine siebenjährige Laufzeit und nur ein geringer Abschlag vom Nennwert. Hier zieht nicht nur die überdurchschnittliche Verzinsung, sondern auch die mit der Anleihe verbundenen Steuervorteile. Die sechsprozentige Weltbank-Anleihe (voraussichtlicher Emissionskurs 99 1/2 Prozent, Laufzeit acht Jahre) wird mit ihren 300 Millionen in der gegenwärtigen Situation dagegen schon als Last empfunden.

Es mehren sich die Anleger, die in den Aktien eine brauchbare Alternative zum „ausgereizten“ Rentenmarkt sehen. Davon lebt gegenwärtig die Börse, allerdings mehr recht als schlecht. Die Umsätze sind minimal. Wenn wohl auch niemand große Hoffnungen auf das neue Konjunkturprogramm der Bundesregierung setzt, so sorgt es dennoch für eine gewisse Aktienkursstabilisierung. Dahinter steckt die Hoffnung, daß die jetzt in Angriff genommenen Steuermaßnahmen in eine dauerhafte Entlastung der Wirtschaft münden werden.

Favorit der letzten Tage war die VW-Aktie. Die Prognosen über einen sich ständig steigernden Bedarf an Pkw haben die Erwartungen auf eine hohe Bardividende für die VW-Aktionäre verstärkt. Sie könnte dann als Ausgangspunkt für die notwendige Kapitalerhöhung beim Volkswagenwerk dienen. BMW hat die jüngste Kapitalerhöhung noch nicht völlig verdaut. Während des Bezugsrechthandels sind spekulative Engagements eingegangen worden, deren Auflösung gegenwärtig den Anstieg des BMW-Kurses behindert.

Bei den Varta-Nachfolge-Aktien sucht die Börse noch nach Orientierungspunkten. Was viele vorausgesagt hatten, ist aber schon jetzt eingetreten: Der Kurswert der aus einer alten Varta-Aktie hervorgehenden Nachfolgepapiere liegt höher als der Kurs vor der Teilung. Der letzte Kurs der alten Varta-Aktie wurde mit 274 Mark festgestellt. Unter Zugrundelegung des Umtauschverhältnisses 10 alte Varta-Aktien = 6 neue Varta-Aktien = 6 Altana-Aktien und 1 Ceag-Aktie ergibt sich ein neuer Wert von 285 Mark.

K. W.