Es ist fast ein Wunder: Noch vor zwei Jahren hatte man den beiden großen Golfplätzen am Timmendorfer Strand (Ostsee) keine Chance gegeben. Die Fairs waren Rübenacker, die Greens leidlich. Die Landschaft ringsherum war herrlich, der Platz einfach schlecht. Jetzt, nur drei Jahre nach seiner Eröffnung, haben die Plätze eine dichte Grasdecke. Fleißige holsteinische Bauern haben den Boden durch Jahrhunderte gepflegt; heute kommt das den Golfern zugute. Kühle und Regen dieses Sommers haben die Bauern reich und die Plätze (fast) perfekt gemacht.

Der große Platz mißt 6065 Meter für Herren und 5390 Meter für Damen, Standard 72. Der kleine („Kur“-)Platz hat Par 61, Standard 39; Länge für Herren 3765 Meter, für Damen 3345 Meter. Golfarchitekt war Bernhard von Limburger. Pro und Proshop sind gut und hilfsbereit. Im (fast zu) eleganten Klubhaus bedient eine Kellnerin mit Berliner Schnauze, also ohne Umstände, mit wenigen Gerichten zu mäßigen Preisen. – Schwer zu verstehen, wie das alles auf seine Rechnung kommt. Aber der Platz zieht schon Wettspiele an, so kürzlich den Norddeutschen Ehepaar-Vierer und die Schleswig-Holsteinischen Mannschaftsmeisterschaften.

Noch vor zwei Jahren wurde über den Platz gelästert. Er gehört auf eine geheimnisvolle Weise zum Komplex der „Maritim-Hotels“ in Timmendorfer Strand und in Travemünde. Das Seehotel Maritim Timmendorfer Strand wurde schon 1968 eröffnet und hat seinen Ruf seitdem bewahrt; auch das Maritim Travemünde. Als aber das Golfhotel Maritim 1974 eröffnet wurde, schaute die Pleite ins Land. Das Hotel (1.–8. Stock) war leer; die Ferienwohnungen (9.–12. Stock) nie ausgebucht; die Eigentumswohnungen (13.–24. Stockwerk!) fast nicht verkauft. Die wenigen Apartmentbesitzer sahen schaudernd hinab auf die Tennisplätze und auf ein Schwimmbad, von dem sie nicht wußten, wie lange es geheizt würde und ob nächstes Jahr die Aufzüge noch gehen würden.

Aber siehe da: Es muß in Deutschland wieder gut gehen. Die Apartments sind zwar ein bißchen billiger geworden, als sie zuerst angeboten worden waren, aber sie werden zur Zeit zu immer noch guten Preisen fleißig verkauft. Das Hotel hat ein junger Manager, dem die Energie aus dem Ellbogen spritzt, auf Stromlinienform gebracht. Viel Betrieb also, auch viele Kongresse, denen man freilich in dem großen Ding ausweichen kann. Die Attraktion ist eine Königliche Küche zu bürgerlichen Preisen.

Die Küste, von Travemünde bis Timmendorfer Strand und einiges darüber hinaus, hat durch die Maritim-Hotels zweifellos gewonnen – gut waren die Hotels und Pensionen dort immer. Erfreulicherweise (für die Besucher) haben sich an den zahlreichen Neubauten dort so viele Leute und Banken die Finger verbrannt, daß mit weiteren Bauten nicht zu rechnen ist. Was dort jetzt steht, kann die Küste auch an heißen Tagen verdauen.

Der Neun-Löcher-Platz in Travemünde neben dem,schönen „Golf-Hotel“ war nach dem Tode des unvergessenen Robert Odenthal etwas in Vergessenheit geraten, in einigen dürren Sommern auch vernachlässigt worden. Jetzt geht man über schönes Grün, von einigen Bahnen den Blick auf die tiefblaue Ostsee mit weißen Segeln, Der Platz wird nächstes Jahr 50; die Herren spielen neun Löcher auf 3050 Meter, die Damen auf 2675 Meter.

Im Restaurant hat der neue Pächter selbstgebackene Torten bereit; einfache und daher preiswerte Gerichte. Dort nachmittags oder abends auf der Veranda zu sitzen – sie öffnet sich nach Westen –, ist angenehme Golfer-Entspannung. Das Brodtener Ufer ist hundert Meter vom Platz entfernt. Die Wanderung dort und ein Kaffee im Restaurant Hermannshöhe gehören mit zum Schönsten.

Gerd Bucerius