Das Urteil über Hans Friderichs, vor allem und in erster Linie sich selbst gegenüber loyal zu sein (ZEIT Nr. 31), hat sich mit dem beabsichtigten Rücktritt des Bonner Wirtschaftsministers bestätigt. Er entschied sich damit ein weiteres Mal für die eigene Person – und gegen die Partei. Sobald der Bundeskanzler den Kopf wieder für andere Dinge frei hat, wird über den Zeitpunkt entschieden, zu dem Hans Friderichs in die Vorstandsetage der Dresdner Bank überwechseln kann.

Mit seinem Banksalär, im Jahr irgendwo zwischen 700 000 und 800 000 Mark, dürfte der erst 46jährige ausgesorgt haben. Aber auch ohne so stolze Bezüge müßte ein Ruheständler Friderichs nicht darben. Für die nächsten drei Jahre hat er nämlich Anspruch auf das ausscheidenden Regierungsmitgliedern zustehende Übergangsgeld. Das macht insgesamt rund 290 000 Mark aus. Sind die drei Jahre um, bekommt er ein Mindestruhegehalt als Exbeamter, erworben aus den Ansprüchen jener Zeit, in der er dem früheren Ministerpräsidenten Helmut Kohl als Staatssekretär diente. Diese Rente, deren Höhe schwer zu errechnen ist, läuft bis zum 16. Oktober 1986. Dann wird Friderichs nämlich 55 Jahre alt und hat Anspruch auf die höhere Pension als ehemaliges Bonner Regierungsmitglied.

Nach jetzigem Besoldungsstand sind das rund 63 000 Mark im Jahr. Da jedoch die Beamtengehälter auch bis 1986 weiter steigen werden, dürfte Friderichs’ Ruhegehalt mit Beginn seines 56. Lebensjahres – bei jährlich angenommenen Steigerungen um fünf Prozent – mindestens knappe 100 000 Mark im Jahr ausmachen.

In Bonn Regierungsmitglied gewesen zu sein ist allemal finanziell lukrativer, als in Kiel stets nur als Chef der Opposition gewirkt zu haben. Jochen Steffen, ehemaliger Vorsitzender der SPD von Schleswig-Holstein und viele Jahre Oppositionsführer im Landtag, seit 1973 aber nur noch einfaches Landtagsmitglied, bekommt nach seinem jetzigen Ausscheiden aus dem Parlament mit immerhin, 20 Mandatsjahren bei weitem nicht so viel Ruhegehalt wie seine Kollegen in Bonn.

Aber auch Steffen kommt nicht um, zumal er bei der Aufgabe seines Landtagsmandats eine überaus glückliche Hand bewies. Am 19. September wird Steffen nämlich 55 Jahre alt; und von diesem Tag an hat er als Landtagsrentner Anspruch auf Ruhegeld. Die Ruhegeldregelung in Kiel ist für Steffen aber lukrativer als die Diät, die ihm für die aktive Mandatsausübung zusteht. Laut Auskunft der Kieler Landtagspressestelle bekommt ein einfacher Abgeordneter – das ist Steffen, seit 1973 – 2130 Mark im Monat. Als Pensionär wird Steffen aber seine Zeit als Oppositionsführer honoriert. Das höchste Ruhegeld für einen Oppositionsführer beträgt 4825,68 Mark im Monat. Für Jochen Steffen beginnt damit ein goldener Oktober – ohne Arbeit mehr Geld. Auch Linke haben offenbar einen gut entwickelten Sinn für den sonst so schnöden Mammon.

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Ingrid Matthäus, junge FDP-Abgeordnete, die sich mit ihrer jüngsten finanzpolitischen Rede im Bundestag erneut Respekt für ihren Sachverstand verschaffte, nimmt es mit ihren Finanzen peinlich genau. Sie kam unaufgefordert dem nach, wozu die Finanzämter eigentlich schon alle 518 Bonner Bundestagsabgeordneten hätte auffordern müssen – Einkommensteuer-Vorauszahlungen zu leisten. Ingrid Matthäus meldete sich sofort nach Inkrafttreten der neuen steuerpflichtigen Abgeordnetenbesoldung bei ihrem zuständigen Finanzamt und bat um Einkommensteuerveranlagung – wie entsprechenden Vorauszahlungsbescheid. An den einschlägigen Terminen im Juni und September führte sie bereits prompt 9579 Mark Steuern ans Finanzamt ab.