Mit ihren Regimekritikern geht die DDR unterschiedlich um. Die einen schickt sie über die Grenze in den Westen, andere steckt sie in den Kerker. Zu denen, die hinter Gittern sitzen, gehört Rolf Mainz, ehemals Lektor in einem Leipziger Verlag. Er verlor seinen Job, als er den Antrag für sich und seine Familie stellte, in die Bundesrepublik ausreisen zu dürfen.

Im Oktober letzten Jahres schrieb er über sein Schicksal „Berufsverbot in der DDR“ in der ZEIT: „Wer hilft uns? Wir helfen uns selbst. Was nicht heißt, daß wir Verbündete nicht brauchen können. Wer käme in Frage, die UN? Die UN ist weit. Unser Staatsapparat? Antwortet nicht auf Petitionen, Eingaben, Appelle einer bestimmten Art. Die Massenmedien? Sie nehmen nicht einmal zur Kenntnis. Die Justiz?“

Dieser Artikel war Anlaß für die DDR, Rolf Mainz zu verhaften und ihn im April dieses Jahres zu viereinhalb Jahren Haft zu verurteilen. Er wurde verurteilt auf Grund Paragraph 106 des DDR-Strafgesetzbuches: „(1) Wer mit dem Ziel, die sozialistische Staats-und Gesellschaftsordnung der DDR zu schädigen oder gegen sie aufzuwiegeln erstens: Schriften, Gegenstände und Symbole, die die staatlichen, politischen, ökonomischen oder die anderen gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR diskriminieren, einführt, herstellt, verbreitet oder anbringt:... wird mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bestraft. – (2) Wer zur Durchführung des Verbrechens Publikationsorgane oder Einrichtungen benutzt, die einen Kampf gegen die DDR führen oder das Verbrechen im Auftrage derartiger Einrichtungen oder planmäßig durchführt, wird, mit Freiheitsstrafen von zwei bis zu zehn Jahren bestraft.“

Rolf Mainz sitzt in der Strafanstalt Brandenburg. Seine Behandlung ist unmenschlich. Er hat Magengeschwüre, aber eine adäquate medizinische Versorgung wird ihm nicht gewährt. Erst kürzlich wurde er, der durch einen Hungerstreik gegen diese Behandlung protestierte, für 27 Tage in eine Arrestzelle gebracht.

In Leipzig schlägt sich seine Frau mit drei Kindern mühsam durch. Ihre Ausreiseanträge wurden von den DDR-Behörden bislang ignoriert. v. k.