• Die bisherige Höchstgrenze der Rauchgasentschwefelung bei Kohlekraftwerken ist in Nordrhein-Westfalen erst kürzlich von 3,75 auf 2,75 Kilogramm je Stunde und je Megawatt installierter Kraftwerkleistung herabgesetzt worden. Nun empfiehlt das Bundesinnenministerium die Grenze von 1,25 Kilogramm. Ist diese technisch erreichbar?

Reintges: Das Bundesinnenministerium stützt sich auf neue japanische Veröffentlichungen. Darin wird ein Emissionsgrenzwert von 1,25 Kilogramm pro Megawatt und Stunde für erreichbar gehalten. Es ist jedoch nicht bekannt, ob dies nur eine Planungsgrundlage oder ein effektiv erreichter Wert ist. In der Bundesrepublik erscheint ein solcher Emissionsgrenzwert erst nach einer Anlaufzeit von fünf bis sieben Jahren erreichbar, und zwar bei einem Schwefelgehalt der Kohle von nicht mehr als ein Prozent. Diese Anlaufzeit wäre kürzer, wenn nicht seit Jahren Verzögerungen im Bau neuer Kraftwerke eingetreten wären und man deshalb keine näheren Betriebserfahrungen sammeln konnte.

  • Ein größerer Umweltschutz bedingt auch höhere Kosten. Was wird heute für die Rauchgasentschwefelung beispielsweise bei einem 700-Megawatt-Block investiert, um die Grenze von 2,75 Kilogramm je Megawatt zu erreichen?

Reintges: Bisher werden Rauchgasentschwefelungsanlagen mit dem neuen Emissionsgrenzwert von 2,75 Kilogramm erst für zwei neue Kraftwerke gefordert, nämlich für Dorsten und Scholvem. Da solche Anlagen infolgedessen noch nicht erprobt sind, können die Kosten nur geschätzt werden. Der Emissionsaufwand liegt je nach den Verhältnissen für ein Kraftwerk mit 700 Megawatt zwischen 55 und 105 Millionen Mark, wahrscheinlichbei etwa 72 Millionen Mark; das sind etwa 7 bis 10 Prozent der gesamten Investitionskosten nur für die Rauch-Das gilt beim Einsatz von Kraftwerkkohle mit einem Prozent Schwefelgehalt, bei höherem Schwefelgehalt steigen die Kosten überproportional.

  • Wie würden sich die Kosten bei einer weiteren Verschärfung erhöhen, wenn die Investition sich gemäß dem Bundesemissionsschutzgesetz am Stand der Technik orientieren soll?

Reintges: Würden die Bestimmungen entsprechend der Äußerung des Bundesinnenministeriums noch verschärft, also derEmmissionsgrenzwert auf 1,25 Kilogramm je Megawatt und Stunde herabgesetzt, so würden die vorhergenannten Investitionskosten auf etwa 90 bis 115 Millionen Mark steigen, wahrscheinlich auf etwa 100 Millionen. Der Mehraufwand macht also pro 700-MW-Block 30 Millionen Mark aus. Der Strompreis würde dadurch um mehr als einen Pfennig pro Kilowattstunde belastet, so daß die Rauchgasentschwefelung insgesamt etwa drei Pfennig pro Kilowatt kosten würde. Auch das gilt bei einem Schwefelgehalt der Kohle von einem Prozent.

  • Es gibt ja bereits jetzt auf Grund der bestehenden Anforderung an die Rauchgasentschwefelung Behinderungen beim Bau der Kohlekraftwerke. Wo haben sie ihrer Meinung nach eine entscheidende Rolle gespielt?