Hervorragend

Wanda Jackson: „Rockin’ With Wanda“. Wanda Jackson kennt man heute fast nur auf Grund ihres 1960er Hits „Let’s Have A Party“, und Rock-Lexika widmen ihr bestenfalls eine Fußnote. Dabei war diese weiße Ex-Country-Sängerin mit der aggressivraspeligen Stimme das einzige Mädchen, das perfekt alle Rock-’n’-Roll-Stile vom frühen Rockabilly à la Elvis bis zur Schluckauf-Technik eines Buddy Holly beherrschte. Ihr legendäres „Rockin’ With Wanda“-Album, 1958 produziert und praktisch ein Kompendium aller wichtigen Rock-Stile der fünfziger Jahre, wurde jetzt endlich von der Electrola wieder veröffentlicht. (Capitol 038 EMD 82 098)

Franz Schöler

Hörenswert „Cellokonzerte“ – von Vivaldi, Leo, Tartini, Porpora, Stamitz. Sei es, daß die Serenissimi gern sich selber auf diesem Instrument versuchten, sei es, daß die neuentdeckten Klangfarben der aus der alten Viola da Gamba entwickelten „Kniegeige“ die Komponisten reizte: Zwischen dem Spätbarock und der Spätromantik war das Cello eines der bevorzugten Solo-Instrumente für Virtuosen, bei Hofe wie später in den Salons und in den großen Konzertsälen. Daß dabei nicht gleich Seelengemälde à la Mendelssohn, Schumann oder Dvořak entstanden, sondern eher Der monstrationsstücke über die Fingerfertigkeit und die Tonschönheit, versteht sich am Rande – das Cello war damals wenig mehr als die Violine oder die diversen Blasinstrumente. Ein paar der in Vergessenheit geratenen Stücke jener Kategorie, die auch heute zu spielen sich noch lohnt, wieder hervorgeholt zu haben, ist das Verdienst dieser Platte, zumal der Solist Thomas Blees sich mit makellosem Ton und schönen Melodie-Bögen empfiehlt Ein bißchen mehr allerdings an Klang-Sorgfalt hätten sich der Tontechniker, etwas mehr an Information über Anekdotisches hinaus der Textheft-Schreiber schon erlauben dürfen, und die manchmal obskuren begleitenden Orchester gar liefern sich keineswegs dem Verdacht aus, als Spezialisten für historisches Musizieren zu gelten. (Thomas Blees, Cello/Stuttgarter Solisten, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim/Württembergisches Kammerorchester Heilbronn; Fono FSM 73004)

Heinz Josef Herbort

Mutig

„Die Bonner Blaustrümpfe singen Protest- und Spottlieder.“ Es läßt sich gar nicht so leicht spotten über diese „Blaustrümpfe“. Zwar klingt, was sie hier musikalisch vorbringen, keineswegs kabarettperfekt, sie bekennen es ja selber. Aber darauf kommt es hier nicht an. Die Texte jedenfalls, die sich diese offensichtlich intelligenten jungen Mitglieder des „Frauenforums Bonn“ geschrieben haben, sind ziemlich gescheit Ihr teils bitterernster, teils ironischer, teils durchtrieben frecher Inhalt ist alles, was die Frau als einer dem Mann gleichberechtigten Persönlichkeit betrifft, also: was ihr vorenthalten oder oktroyiert wird. Die Musik, mit der diese Botschaften vermittelt werden, klammert sich freilich sehr heftig an das allgemeine Liedermacher- und Songklischee und wirkt dadurch etwas matt und dürr. Man hört schnell heraus, daß nur eine von den acht eine – im Metier obendrein unerfahrene – Musikerin, die anderen etwas ganz anderes sind: Lehrerin, Hausfrau, Journalistin, Anwältin, Krankengymnastin, Schülerin, Autorin. Profis hätten der Sache gewiß mehr Pfiff gegeben, aber hier ist anderes wichtiger: eine authentische, engagierte, „eine rein weibliche Kreation“. (Frauenbuchvertrieb, Mehringdamm 34, 1000 Berka 61)

Manfred Sack