Die Staatsschützer der DDR, die Genossen von der Sicherheit, lieben es gelegentlich, sich aus revolutionärer Tradition „Tschekisten“ zu nennen. Der Gründer der Tscheka (Außerordentliche Kommission gegen die Konterrevolution), der Pole Feliks Dzierzynski, wäre in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden. Seine Nachfolger in den Ostblockstaaten nahmen dieses Jubiläum zum Anlaß, sich stolz zu ihrem zwielichtigen Handwerk zu bekennen.

In Moskau behauptete KGB-Chef Jurij Andropow, die Feinde des Sozialismus wollten durch militärische Gewalt und mit ihrem Kampf in Politik und Wirtschaft die „Neue Staatsordnung“ untergraben – ziemlich fadenscheinige Behauptungen, ist doch seit Kriegsende in sozialistischen Staaten militärische Gewalt immer nur von sozialistischen Armeen eingesetzt worden. Und auch die Milliardenkredite, mit denen der Westen zum Aufbau der osteuropäischen Wirtschaft beiträgt, belegen nicht gerade Andropows Thesen. Der DDR-Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, hat zum Geburtstag des Bolschewiken Dzierzynski realistischere Worte gefunden. Die Tscheka, meint er, war ein Organ, das konsequent die Generallinie der Partei verwirklichen half; diesem Vermächtnis folgten auch die Staatssicherheitsorgane der DDR. Zwar dürfe es im revolutionären Kampf zu der einen oder anderen Frage diese oder jene Meinung geben; niemals aber dürfe man sich mit dem Klassenfeind verbünden.

Die Zeitschrift Die Volkspolizei hat sich dieser Tage ähnlich geäußert. Die „vielberufene Freizügigkeit“ sei nichts anderes als die „fragwürdige Freiheit, beliebig die Fronten zu wechseln, die Flagge tauschen zu können“. Diese Freiheit werde es selbstverständlich niemals geben.

Bleibt nur der Schluß: Solange es, nicht die Freiheit gibt, der herrschenden politischen Lehre zu widersprechen, werden die „Tschekisten“ weiter in allen Ostblockstaaten Furcht verbreiten. J. N.