Wie wir aus einer kurzen Pressenotiz vom 8. September des Jahres 2000 entnehmen, löste sich der Wagen des New Yorker Vereinspräsidenten Arp Snider just in dem Augenblick von der magnetischen Kontakthalterung der privaten Rollbahn, die zu den Familien-Logen des Stadions führt, als die Amerikaner im Weltcup-Punktspiel gegen die „Schwarzen Perlen“ aus Nigeria das 0:1 hinnehmen mußten. Der bekannte New Yorker Geschäftsmann blieb unverletzt und konnte später sogar noch einen 3:1-Sieg seiner Soccer-Truppe bejubeln.

Fußball im Jahr 2000. Sport zwischen Utopie und Realismus. In der optimistischen Vision des Chronisten hat die Technokratie des Fortschritts den äußeren Rahmen dieser Weltsportart Nr. 1 zweifellos verändert, aber das Spiel selbst ist in seiner Grundstruktur erhalten geblieben. Und alle diejenigen, die dem Fußball einen baldigen Tod voraussagten, sind mittlerweile selbst gestorben.

Der Fußball wird also immer noch auf Plätzen ausgetragen, die dieselben Maße, wie die des Jahres 1977 haben. Beim Anstoß stehen sich immer noch 22 Spieler gegenüber, und der Ball ist nicht mit Helium, sondern ganz einfach mit Luft gefüllt.

Es hat allerdings einigen Ärger mit dem amerikanischen Fußball-Verband gegeben, der das Unentschieden in dieser Sportart abschaffen und bei jedem Punktspiel – durch ein Elfmeter-Knockout ersetzen wollte. Die Amerikaner, die durch ihre Soccer-Clubs Weltgeltung erlangten, gaben schließlich nach, um ihre Mitgliedschaft in der FIFA, dem Internationalen Weltverband, nicht zu gefährden. Und sie verzichteten sogar darauf, daß das Spielfeld, nach ihrem ursprünglichen Vorschlag, wie beim Eishockey, in mehrere Felder unterteilt sein sollte.

Dafür setzen die Amerikaner die sogenannte „Aus-Zeit“ wie beim Eishockey durch. Die effektive Dauer eines Spiels also beträgt im Jahr 2000 wirklich neunzig Minuten, weil jede Spielunterbrechung, etwa beim Einwurf oder beim Foul, weggestoppt wird. In den langwierigen Verhandlungen zu diesem Reformvorschlag kam den Amerikanern eine Untersuchung der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 zugute, nach der dem zahlenden Publikum nur eine „reine“ Spielzeit von durchschnittlich 60 Minuten geboten worden war.

Abgeschmettert dagegen wurden die ewig-pedantischen Weltverbesserer des Fußballs, die immer wieder mit den kuriosesten Reformvorschlägen an die Öffentlichkeit traten. Etwa die, daß die Tore größer, die Spielflächen kleiner und die Bälle leichter sein sollten.

Im Jahr 2000 können bis zu fünf Spieler ausgewechselt werden. Das war nötig geworden, weil beispielsweise in Rio de Janeiro ein Cupspiel’ zwischen Brasilien und Argentinien insgesamt drei Stunden (die Spielunterbrechungen also mitgerechnet) dauerte. Natürlich ist es längst eingeführt, daß Profi-Schiedsrichter Platzverweise „auf Zeit“ aussprechen können.