Sehenswert –

„Eine Nacht in Casablanca“ von Archie L. Mayo. Der nach fünfjähriger Pause („Die Marx-Brothers im Kaufhaus“, 1941) vorletzte Film der Marx-Brothers: eine Spionageparodie um einen versteckten Schatz und flüchtige Nazis mit einigen ironischen Verweisen auf Michael Curtiz’ legendären Film „Casablanca“ (1942). Von den späten, schwächeren Filmen des Teams ist Night in Casablanca“ einer der besten. Glanznummern: Chicos Versuch, als selbsternannter Leibwächter Grouchos Rendezvous mit einem Nazi-Vamp zu vereiteln; Groucho, der, ächzend unter der Last von Grammophon, Sektkübel und Blumenstrauß, verzweifelt, von einem Zimmer zum anderen hetzt, bis er sich „weniger als Don Juan denn als Glöckner von Notre Dame fühlt“ (Raymond Durgnat). Einer der besten Auftritte – das komische Chaos einer Kleiderpackszene, in der Groucho, Chico und Harpo den Nazi Stubel (Sig Ruman) an seinem Verstand zweifeln lassen – stammt von Frank Tashlin, der hier als Gagman mitarbeitete. Die deutsche Synchronisation gibt sich Mühe, dem Marxschen Wortwitz gerecht zu werden – wobei dennoch vieles verlorengeht Zum Glück bietet der Verleih auch eine untertitelte Originalfassung an. Helmut W. Banz

Ärgerlich

„Marschier oder stirb“ von Dick Richards, der sich mit seinem Drehbuchautor David Zelag Goodman auf nostalgische Neuauflagen alter Hollywood-Genres zu. spezialisieren scheint. Mit ihrer Chandler-Verfilmung „Fahr zur Hölle, Liebling“ war ihnen eine eindrucksvolle Hommage an die „Schwarze Serie“ der vierziger Jahre gelungen. In „March or Die“ graben sie ein verschüttetes Genre aus: den Fremdenlegionärsfilm. Sie hätten es besser im Wüstensand ruhen lassen sollen, denn das Resultat kommt einer Grabschändung gleich. Prominente Stars in dümmlichen Rollen (Gene Hackman, Terrence Hill, Catherine Deneuve, Max von Sydow) dürfen markige Kernsätze äußern, und selbst einem so exzellenten Kameramann wie John Aleott („Barry Lyndon“) gelingen in Richards’ hölzerner Inszenierung bestenfalls dekorative Tableaux bekannter Genreklischees: durch den Sand stolpernde Legionärskolonnen, Reitersilhouetten auf dem Kamm einer Düne. Richards hat in der Sahara gedreht, Tausende arabischer Statisten aufgeboten und sich um extreme Detailtreue bemüht Der Studiosand von Josef von Sternbergs kunstvoll-kalkuliertem Melodrama „Morocco“ (1930) ist in jedem Sandkörnchen authentischer, der Film in jedem Detail seiner Story emotionaler und mitreißender.

Helmut W. Banz

„Das Domino-Komplott“ von Stanley Kramer ist eine alberne Imitation von Alan J. Pakulas „Zeuge einer Verschwörung“ und Sidney Pollacks „Die drei Tage des Condor“: ein schwerfällig inszenierter und arg umständlich konstruierter Polit-Thriller um eine allmächtige halbstaatliche Geheimorganisation, die einen Sträfling (Gene Hackman) als Killer anheuert. Auch wenn Richard Widmark bedeutungsschwanger den Namen Kafka fallenläßt, so gelingt es doch Kramer nicht einmal im Ansatz, das undurchsichtige, paranoide Klima seiner Vorbilder Pakula und Pollack zu erreichen. Schade um das Talent von Hackman, Widmark, Mickey Rooney und Eli Wallach, die so desorientiert wirken wie der geplagte Zuschauer. Hans C. Blumenberg

Empfehlenswerte Filme

„Der Mädchenkrieg“ von Alf Brustellin und Bernhard Sinkel. „Die Schwestern des Bösen“ von Brian De Palma. „Alarm im Weltall“ von Fred McLeod Wilcox. „Nordwestwind“ von Jacques Rivette. „Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird“ von Alain Tanner.