Von Wolfgang Hoffmann

Eine Woche vor dem Terroranschlag auf den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer inserierte ein rheinischer Kaufmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Geschäftsmann (Sicherheitsrisiko) sucht gewandtes Sicherheitspersonal“. Die Reaktion kam prompt und schnell. Rund ein Dutzend kampferprobter Männer (die Namen sind der Redaktion bekannt) signalisierten ihr Interesse an dem Job.

Ein Kriminalkommissar in ungekündigter Stellung, aktiv in der Verbrechensbekämpfung, möchte umsatteln und bietet sich als Leibwächter an. Der Beamte mit derzeit etwa 2500 Mark brutto verspricht sich das große Geld. Denn „ein Angebot unter DM 6000 monatlich plus Spesen plus Aufwandsentschädigung würde es mir nicht ermöglichen, meinen derzeitigen Lebensstandard zu halten, und ist somit wenig sinnvoll“.

So unbescheiden zeigten sich nur wenige. Die meisten Bewerber begnügten sich mit Gehaltsforderungen zwischen zwei- und dreitausend Mark. Zum Schutz von Leib und Gut gefährdeter Personen boten sich aktive wie ehemalige Polizisten und Postbeamte (offenbar ihres Staatsdienstes überdrüssig), aber auch ehemalige Bundeswehrangehörige wie Fallschirmjäger und Männer mit Legionärsvergangenheit an. Aus der Schweiz meldete sich ein „Spezialist in Abwehr von Terror, Entführung und Spionage“. Aus Delaware in USA kam ebenfalls ein Angebot. Einer pries sich als „Meister in der chinesischen und japanischen Kampfkunst (kung-tu, Karate, Judo)“ und versicherte dem potentiellen Arbeitgeber: „Rauche und trinke nicht“.

Selbst Techniker und Kaufleute scheuen sich nicht, ihren bürgerlichen Beruf für Lohn und Brot als Gorilla einzutauschen. Aber nicht nur Einzelkämpfer bieten ihren Service an. Auch gewerbliche Sicherheitsfirmen möchten ihre „zuverlässigen Detektive zur Lösung wirtschaftlicher und persönlicher Probleme“ an die Front schicken. Manfred Glatzel, Inhaber des Offenbacher „Sicherheitsservice Glatzel“, wirbt auf vorgefertigten Schreiben: „Langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet des Personenbegleitschutzes versetzen uns in die Lage, Ihnen ein umfassendes, individuell auf den Einzelfall abgestimmtes Sicherheitsprogramm bieten zu können.“

Seit sich Terror, Geiselnahmen und andere kriminelle Gewaltakte häufen, ist dem privaten Sicherheitsgewerbe ein neuer Zweig erwachsen – der Personenschutz. Manfred Dessau, Präsident des Zentralverbandes der Auskunfteien und Detekteien, Inhaber der Berliner Detektei Atlas: „Vor drei Jahren war der Status gleich Null. Jetzt hat sich einiges getan.“

Das sagt auch Glatzel aus Offenbach. Obwohl der Markt längst aufgeteilt sei, drängten sich immer neue Unternehmen in dieses Geschäft. Dabei läßt der Offenbacher durchblicken, daß eigentlich nur wenige für den Leibwächter-Dienst qualifiziert sind: „Der Gesetzgeber sollte das besser kontrollieren, denn 40 bis 50 Prozent von denen, die ihre Dienste anbieten, haben gar keine Erlaubnis.“