Es gehört zu den Besonderheiten in der Bundesrepublik, daß ihre politischen und wirtschaftlichen Eliten fast wie durch eine Wand voneinander getrennt sind. Anders als etwa in den Vereinigten Staaten gelingt hierzulande nur relativ wenigen führenden Politikern der Sprung in die „freie“, außerhalb staatlicher Regie stehende Wirtschaft.

So gesehen könnte der Wechsel Hans Friderichs’ vom Amtssessel des Bundeswirtschaftsministers an die Spitze des Vorstandes der zweitgrößten deutschen Privatbank ein Signal sein; er soll dort den ermordeten Jürgen Ponto ersetzen – einen großen Bankier, der es bezeichnenderweise abgelehnt hatte, in Bonn Minister zu werden.

Doch Zustimmung gibt es kaum, da die Umstände des Wechsels befremden: Einer der wichtigsten deutschen Minister scheidet aus seinem Amt, weil ihm woanders mehr bezahlt wird. Friderichs’ gespreizte Ausflüchte vermochten dies nicht zu verschleiern. Er tut den Schritt zu einem Zeitpunkt, da die politischen Führer des Landes ihre Energien auf Krisenstäbe konzentrieren. Er muß sich vom Kanzler bitten lassen, vor dem Bundestag wenigstens noch für jenes Konjunkturprogramm geradezustehen, an dem er als Wirtschaftsminister maßgeblich mitgearbeitet hat. Vor dem Bundesrat, der für dieses Programm entscheidenden Hürde, wird das Plädoyer bereits dem neuen Wirtschaftsminister obliegen, dem Grafen Lambsdorff.

So oberflächlich und so opportunistisch hatte man sich die bessere Durchlässigkeit zwischen Politik und Wirtschaft nun doch nicht vorgestellt (siehe auch Seite 2). pl