Von Rudi Dutschke

Im stern wurde vor Monaten ein erst erwünschter Beitrag von mir über die sozialistische Kritik von Desperado-Aktionen nicht veröffentlicht In ihm heißt es: „Als in Spanien der Franco-Minister Carrero terroristisch in die Hölle gejagt wurde, da atmete ein großer Teil eines ganzen Volkes auf, half der Anschlag das Ende der Despotie voranzutreiben.“

Unter unseren gesellschaftlichen Bedingungen ist die Lage völlig anders. Jede Terroraktion bei uns dagegen macht die geringe gesellschaftliche Luft noch enger und vernebelt ungeheuer die realen Widersprüche und politischen Klassenkampfmöglichkeiten.

In Spanien ist gewissermaßen ein Beginn der bürgerlichen Gesellschaft politisch und ökonomisch festzustellen. Jenen Spielraum freimachend, den die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten benötigen, um die Sozialismusfrage angemessen stellen zu können.

Wir in der Bundesrepublik sind nicht am Beginn, wir sind viel eher in einer Endphase des bürgerlichen Rechtsstaates, der in einer tiefen Krise steckt.

Buback und seine Mitarbeiter saßen an zentralen Stellen, um gesellschaftlich unkontrollierte Macht auszuüben. Sie waren, um mit Marx zu sprechen, „gesellschaftliche Charaktermasken“. Entfremdete Menschen – aber Menschen und nicht abzuschießende Schweine.

Als Sozialist bekämpfe ich die Vertreter Her herrschenden Klasse politisch und den außerparlamentarischen und parlamentarischen Möglichkeiten gemäß – nicht mit der sich von der Bevölkerung abwendenden Methode des individuellen Terrors. Wenn Che Guevara sagt: „Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnams“, so hatte das einen tiefen Sozialrevolutionären Sinn. Die Geschichte hat der Parole recht gegeben. Wenn verzweifelte oder beauftragte Desperados schreiben: „Schafft viele revolutionäre Zellen! Schafft viele Bubacks“, so kann der Sozialist nur sagen: Höher kann die Zerstörung der kritisch-materialistischen Vernunft nicht mehr gehen.