Die ZEIT läßt auf Seite 41 neben einem Artikel von Heinrich Böll auch den amerikanischen Philosophen Herbert Marcuse und den ehemaligen Studentenführer Rudi Dutschke Stellung nehmen zu dem Terror, der die Bundesrepublik bedroht. Daß von Übelwollenden einige Dutschke- oder Marcuse-Sätze herausgepflückt und verleumderisch als die Meinung der ZEIT verbreitet werden könnten, darf uns nicht stören. Gleichwohl werden sich viele unserer Leser fragen: Warum stellt die ZEIT ihre Plattform den erklärten Feinden unserer parlamentarisch-demokratischen Ordnung zur Verfügung, auf der Marcuse und Dutschke natürlich auch wieder ihre bekannte These verkünden, unser Staat bedürfe der totalen Veränderung durch Klassenkampf – also seiner Vernichtung?

Wir haben dafür drei Gründe, die den meisten von uns gute Gründe sind:

  • Eine liberale Zeitung wie die ZEIT will heute, wie sie das immer wollte, ihre Leser auch über die Meinungen der Gegner informieren, wo diese den intellektuellen und moralischen Rang eines Herbert Marcuse oder eines Rudi Dutschke haben. Sie will diese Meinungen unverschnitten, ungefiltert durch das Bewußtsein eines Andersdenkenden für sich sprechen lassen.
  • Wer wie wir die Meinung vertritt, daß dieser Staat im Grunde in Ordnung, aber sicher auch ebenso verbesserungsbedürftig wie verbesserungsfähig ist, muß nicht nur für jede Kritik ein offenes Ohr behalten, sondern auch dort, wo Kritik in vorbehaltlose Gegnerschaft umschlägt, die Ziele und Argumente der Feinde unserer Ordnung kennen.
  • Uns, die wir in der Sprache der extremistischen Linken Charaktermasken der kapitalistischen Gesellschaft sind, nehmen es die amoklaufenden Desperados und ihre Sympathisanten nicht ab, daß Terror und Mord Mittel sind, die nicht einmal von den Zwecken ihrer eigenen Ideologie geheiligt werden. Einem Marcuse, einem Dutschke glauben sie das vielleicht, sofern sie überhaupt noch etwas glauben. DIE ZEIT