Gscheidles Zeittaktpläne hat eine Bundesbehörde schon – unfreiwillig – realisiert. Recht taktlos schalten sich die Damen der Telephonzentrale des Bundeskartellamtes in Berlin ein, wenn Mitarbeiter Ferngespräche führen, und werfen ein: „Sie telephonieren bereits zehn Minuten.“

Das müssen sich selbst der Präsident Wolfgang Kartte, sein Vizepräsident und die acht Vorsitzenden der Beschlußkammern sagen lassen, die als einzige seit einem halben Jahr von ihren Apparaten selbst Gesprächspartner in der Bundesrepublik anwählen können.

Die Damen der Telephonzentrale handeln pflichtgemäß; denn das Amt muß Telephonkosten sparen. Vom Jahresetat von 140 000 Mark waren bereits Mitte August 127 000 Mark verbraucht. Daß die Telephone Ende des Jahres wegen unbezahlter Rechnungen abgestellt werden, müssen die Beamten allerdings nicht fürchten.

Der Grund für die höheren Telephonkosten ist in der Strategie des neuen Kartellamtspräsidenten Kartte zu sehen. Seine Beamten sollen bereits „im Vorfeld möglicher Kartellverfahren“ Kontakte knüpfen, beispielsweise also bereits vor Fusionen mit den Vorständen der Unternehmen reden. So ist neben dem Telephonetat auch bereits der Reiseetat des Amtes überzogen.

Der Verkauf von Büchern in Filialen der Kaffeeröster kann in Zukunft kaum noch durch einstweilige Verfügungen oder sonstige Rechtsmittel nur deshalb gestoppt werden, weil eben Kaffeegeschäfte keine Buchhandlungen sind. Die Rechtssicherheit gibt ein jetzt ergangenes Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart, das eine Klage des S. Fischer Verlages gegen Tchibo kostenpflichtig abwies.

Der Verlag hatte durch den Verkauf von Büchern in Kaffeegeschäften zu Preisen, die niedriger als im klassischen Buchhandel sind, die kulturellen Aufgaben von Buchhandlungen gefährdet gesehen. Denn leichtverkäufliche Bücher als „Brotartikel“ seien für die Branche lebensnotwendig. Das Oberlandesgericht konnte der Argumentation nicht folgen und sah auch in dem Verkauf der „Kaffeerösterbücher“ keine verbotene Sonderveranstaltung, die Kaufentschlüsse unzulässig beeinflußt.

Bereits einige Monate vorher hatte, das Gericht in einer ähnlichen Klage des Verlages gegen Eduscho genauso entschieden. Zwar ist Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt; doch bis zu einer Entscheidung haben die Kaffeeröster und andere „Auch-Buchverkäufer“ wie Tankstellen und Supermärkte die Sicherheit, daß ihre Aktivitäten Rechtens sind.