Stagnierender Inlandskonsum und hoher Importdruck zwangen zur Flucht ins Ausland

In Frankreich, Belgien und Italien“, so lautet das überraschende Ergebnis einer Untersuchung in diesen Ländern, „tritt die Bundesrepublik Deutschland als Importland für Lebensmittel und Getränke immer weiter in den Vordergrund, und in Holland nimmt sie in dieser Beziehung eindeutig, den ersten Platz ein.“ Das ermittelte das Münchner Markt- und Sozialforschungs-Institut K. G. von Stackelberg. Auftraggeber: Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA), die für Absatzförderung und Werbung von deutschen Agrarprodukten im In- und Ausland zuständig ist.

Erst 1969 war die Marketinggesellschaft durch den Bonner Gesetzgeber geschaffen worden. Finanziert wird der „grüne Werberiese“ durch Zwangsbeiträge der Ernährungswirtschaft und von Landwirten – immerhin alljährlich 90 Millionen Mark, die im Kampf um die in- und ausländischen Konsumenten eingesetzt werden. Rund ein Drittel dieses Marketingetats stehen für die Exportförderung, etwa zwei Drittel für die Absatzförderung im Inland zur Verfügung.

Der Erfolg ist bislang beträchtlich. So wurde nicht nur im Inland der Werbeslogan „Aus deutschen Landen frisch auf den Tisch“ zum vielzitierten Sprichwort. Auch ausländische Konsumenten ließen sich für deutsche Wurst und Käse, für Brot und Bier gewinnen. 1969 noch konnte die deutsche Ernährungswirtschaft Produkte im Werte von rund einer Milliarde Mark im Ausland absetzen. Fünf Jahre später, 1974, waren es bereits 9,5 Milliarden Mark; und im vergangenen Jahr wurden Agrargüter im Wert von 10,7 Milliarden ans Ausland geliefert. „Das Ansehen deutscher Agrarprodukte“, erläutert Helmut Fahrnschon, Geschäftsführer der Centralen Marketinggesellschaft, den Erfolg seiner Tätigkeit, „ist außerordentlich hoch. Ausschlaggebend dafür sind die Qualität unserer Produkte, Zuverlässigkeit und Gesundheitswert (strenges deutsches Lebensmittelrecht).“

Die Bundesrepublik Deutschland, bei Industrieerzeugnissen immerhin der zweitwichtigste Exporteur der Welt, ist zugleich auch der größte Kunde der westlichen Welt am Weltagrarmarkt. Mit Einfuhren von 32,4 Milliarden Mark 1976 kaufte Deutschland mehr ein als die USA. Darin enthalten sind allerdings auch Futtermittel und nicht lebensnotwendige Produkte wie Zitrusfrüchte und Zierpflanzen.

In diesem hohen Import freilich sieht Helmut Fahrnschon auch einen wesentlichen Grund für die Absatzförderung heimischer Landwirtschaftserzeugnisse im Ausland: „Das Absatzventil über die deutschen Grenzen hinaus mußte geöffnet werden, um den Angebotsdruck auf dem Inlandsmarkt zu entlasten und zusätzliche Absatzkanäle durch die Aktivierung der ausländischen Marktreserven zu erschließen.“ Immerhin stagniert der Konsum am heimischen Markt; und die deutschen Bauern und Lebensmittelbearbeiter haben es immer schwerer, ihren Inlandsabsatz noch weiter auszudehnen.

Mit Messen und Ausstellungen, Verkaufsförderung, Handels- und Verbraucherwerbung, Auslandskontaktvermittlung sowie der Beratung der deutschen Exporteure machte die CMA seit ihrer Gründung daher auch das Geschäft im Ausland mobil. Bei den unmittelbaren Nachbarn Holland, Frankreich oder Österreich wie auch bei entfernteren kaufkräftigen Kunden wie Kuwait und Saudi-Arabien und sogar in den USA.