Von Marlies Menge

Warum wird ein Mädchen Försterin? In der DDR fahren Frauen Kräne und Trecker, sind sie Maurer und Bergmann; aber eine Frau als Förster, das schien mir ungewöhnlich zu sein. Ich war neugierig auf die Försterin Rosemarie Kreische, deren Revier nahe der Lutherstadt Wittenberg liegt.

Das Haus, in dem sie mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt, ist kein Försterhaus, wie es mir vorschwebte, einsam im tiefen Wald, mit Geweihen über der Haustür. Es steht mitten im Ort Zahna und ist ein nüchtern-moderner Bungalow. Um so mehr entsprach Rosi Kreische selbst meiner Vorstellung: In grüner Uniform empfing sie mich, blond und blauäugig, pausbäckig und von strotzender Gesundheit. Auf dem runden Tisch neben dem Schreibtisch mit Telephon standen Kaffee und Kuchen bereit, in einer Vitrine waren Jagdpokale aufgereiht.

Bereitwillig erzählt Rosemarie Kreisdie: „Eins stand für mich von Anfang an fest, ich wollte nicht in eine Fabrik oder in ein Büro, ich wollte raus.“ Wie das dann so läuft: Ihr Vater kannte jemanden aus der Forstwirtschaft, und als der sagte, daß sie auch Frauen nehmen, war sie sofort entschlossen. Nach der achten Schulklasse zog sie ins Lehrlingswohnheim und lernte in den zwei Jahren bis zum Forstfacharbeiter alles von der Pike auf: Bäume fällen, entschälen, neue pflanzen. „Und damals ging noch das meiste von Hand. Die Motorsäge war erst im Kommen.“

Sie sei zwar ein Naturfreund, sagt Rosemarie Kreische, doch es wurmt sie, wenn die Leute von ihrem Beruf nur romantische Vorstellungen haben. „Mit dem Dackel an der Leine und dem Rehkitz auf dem Arm; nur mit der Liebe zur Natur ist es nicht getan.“

Nach bestandener Prüfung sollte ein Jahr in der Verwaltung eines Forstbetriebes folgen und ein Jahr draußen im Revier. Doch es kam anders. „Eines Tages hieß es: Wir haben kein Mädchen aus unserem Gebiet für die Forstfachschule. Du mußt hin.“ – Von 40 000 in der Forstwirtschaft Beschäftigten sind 10 000 Frauen, doch die Mehrzahl von ihnen landet in der Verwaltung, nur 76 sind Revierförsterinnen und keiner der Direktoren der Staatlichen Forstbetriebe ist eine Frau.

Zur Zeit verlassen pro Jahr 40 Diplomforstingenieure die Forsthochschule, 30 absolvieren das berufsbezogene Abitur, 100 Forstingenieure und 25 Forstökonomen kommen jährlich von der Forstfachschule. Etwa ein Drittel von denen, die Förster werden möchten, dürfen es auch.