Von Zeit zu Zeit geschieht Schlimmes an der Fußballfront. Jüngstes Beispiel für die Verrohung der Sitten sind die Ausschreitungen im Stadion des französischen Klubs AS St. Etienne beim Europapokalspiel gegen den englischen Vertreter Manchester United. Eine Schlägertruppe, nach Aufmachung und Tonart als Manchesters Anhängerschaft zu identifizieren, schlug dreißig friedliche Besucher krankenhausreif.

Die Disziplinar-Kommission der Europäischen Fußball-Union reagierte auf die Vorfälle mit einer Maßnahme, die ebensoviel Härte wie Hilflosigkeit verrät: Sie sperrte Manchester United mit sofortiger Wirkung aus dem laufenden Wettbewerb aus, obwohl dessen Spieler sich auf dem Felde einwandfrei, korrekt und fair verhalten hatten. In dieser Schärfe schafft das Urteil einen Präzedenzfall: der Fußballverein als Gesellschaft mit absoluter Haftung für seine Anhänger.

Zu verhindern, daß Fußballfelder zu Schlachtfeldern werden, gibt es sicherlich einige probate organisatorische Mittel. Ein Spruch, der Unschuldige trifft, weil die Schuldigen schwer zu fassen sind, ist eher eine Kapitulation vor der Gewalttätigkeit von Leuten, die vorgeben, „Fans“ zu sein, denen der Sinn in Wahrheit aber mehr nach „Putz“ und „Terror“ als nach Fußball steht. Ihr Handeln sollte Sportfunktionäre nicht dazu verleiten, nun ihrerseits statt des Balls das Recht mit Füßen zu treten. A. B.