Präsident Carter setzt „letzte Fristen“ für die Friedensregelung

Von Dietrich Strothmann

Das neue Verwirrspiel: Wo hat der neue israelische Außenminister Moshe Dayan mit wem worüber in aller Heimlichkeit geredet? Mit seinem ägyptischen Kollegen Fahmi in Paris? Der dementiert es. Mit dem sowjetischen Außenamtschef Gromyko in Zürich? Der schweigt sich aus.

Auf nichts ist mehr Verlaß im Nahen Osten; alles scheint inzwischen, da wieder einmal Spekulationen zum Ersatz für Tatsachen herhalten müssen, möglich geworden zu sein: So zum Beispiel, daß der wendige, dann und wann auch wetterwendische Dayan die Serie seiner Geheimkontakte, die er schon frühzeitig mit dem jordanischen König Hussein mal am Jordan, mal in London knüpfte, nun mit anderen Partnern einer künftigen Friedensvereinbarung fortsetzt. Warum sonst wohl eilte er nach einer Unterhaltung mit dem Nato-Oberbefehlshaber General Haig klammheimlich in die französische Hauptstadt, statt planmäßig direkt nach Washington? Was trieb ihn von Paris so unvermittelt nach Jerusalem, wo er seinem Ministerpräsidenten Bericht erstattete? Und weshalb machte er auf dem vorgesehenen, wenngleich verspäteten Flug in die Vereinigten Staaten in Zürich Zwischenstation?

Früher hieß es immer, der Weg zum Frieden im Nahen Osten ist mit Minen gepflastert. Jetzt könnte es, da Krieg nicht unmittelbar droht, eher heißen: Die krampfhafte Suche nach einer friedlichen Regelung ist von lauter Fragezeichen verstellt. Jedenfalls wird sich sobald nicht aufklären lassen, was Dayan zu seiner Pendeldiplomatie veranlaßte. Zweiundzwanzig Versionen stehen zu beliebiger Auswahl.

Das alte Verwirrspiel: Geht es den Amerikanern noch immer hauptsächlich um die Frage, wie das Nahostproblem durch die Lösung des Palästinenserproblems aus der Welt geschafft werden soll? Haben die Araber wie die Israelis, deren Außenminister am Rande der 23. UN-Vollversammlung getrennt mit dem amerikanischen Vermittler beraten, noch immer im Sinn, sich erst über die Prozeduren (Genfer Konferenz), dann über die Prinzipien (Vertragsinhalte) einer Friedensregelung zu verständigen? Bleibt Jimmy Carter bei seinem von PLO-Chef Arafat dankbar begrüßten Wort, die Palästinenser müßten am Genfer Tisch Platz nehmen, ihnen gebühre ein „Lebensraum“, eine „Heimstätte“?

Ein Plan im Gepäck