Lateinamerika ist im Kommen. Der letzte weiße Fleck auf der touristischen Weltkarte verschwindet allmählich. Herausgeber von Reisebüchern helfen dabei. So hat der Goldstadt-Verlag nach einem, beim deutschen Reisepublikum schon hoch im Kurs stehenden, Mexiko-Führer seit kurzem auch die beiden anderen Länder mit großen altindianischen Kulturen in seine Reiseführer-Serie aufgenommen: Bolivien und Peru.

Man spürt, daß die Autoren Elfriede und Gerd Möller diese zwei Andenstaaten ausgiebig bereist haben. Dabei stießen sie auf Kostbarkeiten, die selbst so manchem Peru-Kenner verborgen geblieben waren. Aus Andahuaylillas, einem Indiodorf, 40 Kilometer von Cuzco entfernt, 3090 Meter hoch gelegen, berichten sie: „An der Plaza des kleinen Ortes, etwa einen Kilometer rechts der „Hauptstraße, steht eine unscheinbar wirkende Lehmziegelkirche. Meist muß man sich im benachbarten Pfarrhaus jemanden suchen, der aufschließt; aber der kleine Umstand lohnt sich. Im Inneren der Kirche empfängt einen eine berauschende Fülle barocker Kunst, ein schmuckbeladener vergoldeter Altar, bunt bemalte maurische Decken, große Gemälde in verschwenderischen Rahmen und eine Orgel mit Engeln, die auf Instrumenten des 17. Jahrhunderts musizieren.“

Solche Schilderungen wecken Reiselust. Aber nicht nur das wollen die Goldstadt-Führer; sie informieren über Klima, Pflanzen- und Tierwelt, Wirtschaftsleben, Geschichte, sowie über Reisezeit, Zollbestimmungen, Verkehrsverbindungen im Inland, Taschendiebe und so weiter. Nützlich ist. auch die bebilderte Beschreibung fremder Früchte, ignoriert sie doch mancher Tourist, weil er nicht weiß, wie er sie essen soll. Freilich gibt es weit mehr exotische Früchte als die vier im Peru-Büchlein aufgeführten. Oder kennen Sie sich gut aus mit Tunas (Kaktusfeigen), Lucumas oder Mangos?

Da viele Südamerika-Touristen von Peru über den Titicacasee nach Bolivien Weiterreisen, schon um. das gesamte Kernland des einstigen Inkareiches kennenzulernen, ist der Goldstadt-Reiseführer Boliviens eine gute Ergänzung zum Peru-Band. Auch er ist mit Schwarzweiß-Photos, Gebietskarten, Stadtplänen, Skizzen und detaillierten Beschreibungen vollgestopft. Die Autoren, Elfriede und Gerd Möller, widerstanden bei aller Begeisterung der Versuchung zur Schönmalerei. Der Tourist wird vor Ort sehr dankbar sein für Hinweise wie diesen: „Für die Fahrt zum Chacaltaya sind dunkle Sonnenbrille (Schneeblindheit!), Kopfbedeckung mit Nackenschutz und ein gutes Sonnenschutzmittel unbedingt erforderlich! Selbst bei bedecktem Himmel kann die in diesen Höhen extrem starke Ultraviolett-Strahlung bei ungenügender Vorsorge zu schweren Hautverbrennungen führen!“

Das Mexiko-Büchlein ist ohne Frage nicht weniger informativ als die beiden soeben erwähnten Goldstadt-Führer. Allerdings hatte die Autorin Jutta May – offenbar eine Deutsch-Mexikanerin – erhebliche Sprachschwierigkeiten. Da lautet ein Einkaufstip für Taxco: „... somit ist Silherkamen der Hauptgedanke für einen Aufenthalt in Taxco. Wenn man jedoch denkt, man geht einfach in so einen Laden hinein und kauft ein, dann irrt man sich. Es gibt nämlich unzählige davon, und deshalb sollten Sie zunächst nur gucken. Die Geschäfte haben meistens weder Schaufenster wie bei uns noch Türen, durch die man hineingeht. Es sind vorwiegend Räume, die zur Straße mehr oder weniger offen sind. Man tritt ein – und bleibt geblendet stehen von den unheimlich vielen, unwahrscheinlich bezaubernden Dingen, die auf großen Regalen und in Schaukästen ausgebreitet sind. Und gerade die kleinen Sachen, die Sie bestimmt kaufen werden, packt man Ihnen in kleinen Körbchen ein, die nette (kostenlose) Mitbringsel darstellen können.“

Noch schlimmer kommt’s bei der Schilderung von Taxeos Atmosphäre: „Es ist bestimmt eine gemütliche Atmosphäre. Man denkt ‚mañana‘, morgen, das heißt am anderen Morgen, jeden Morgen wird es ungemütlich, wenn in aller Herrgottsfrühe Böllerschüsse mit einer Minute Abstand 15 Minuten lang vor den Kirchenglocken die Heilige Messe ‚einschießen‘...“ Sehr merkwürdig ist auch folgender Rat für Mexiko-Stadt: „In Mexico City stellt nunmehr die Metro das Verkehrsmittel dar, wo hinein ein Tourist sich und seinen Stolz setzen sollte!“

Ralf-D. Uhlig