Immer wieder hat man es versucht, dreidimensionale Spiele zu konstruieren. Die meisten taugen nichts. Sie scheitern an mechanischen Problemen, oder sie sind zu kompliziert. Doch eines funktioniert perfekt: Das BALLONRENNEN.

Da ist zunächst einmal der Spielplan. Auf den ersten Blick erkennt man ein paar Dörfchen, ein paar Weiher und eine Autobahn aus der Vogelperspektive. Doch schnell merkt man, wie naturgetreu die Bilderbuchlandschaft ist. Statt zu spielen, verliert man sich zunächst einmal im Schauen und entdeckt unendlich viele vergnügliche Details.

Wie erkennt man zum Beispiel eigentlich eine senkrecht von oben gezeichnete Kirche? Ein langer Kasten, ein Quadrat daran – das könnte sie sein. Und bei genauem Einsehen entdeckt man dann den spitz auslaufenden Schatten des Turms. Gleich daneben steht die Fabrik. Auch hier zeigt nur der Schatten, daß der kleine Punkt ein riesiger Kamin ist. Überhaupt, Schatten sind der Schlüssel zur Eroberung der Landschaft aus der Vogelschau.

Da ist etwa der Turm mit der Aussichtsplattform auf der Spitze des Berges. Weit entfernt macht man den Schatten aus und sieht erst dort die eigentliche Form des Aussichtspunktes. Der Designer Klaus Bürgle hat unendlich viel Sorgfalt zum Detail entwickelt. Ein Stau auf der Autobahn: Da steht ein Auto quer, Menschen wimmeln herum und das Kraftfahrerherz kann sich Luft machen, weil ein Lastwagen mit Anhänger auf der Überholspur steht, statt sich ordentlich rechts einzureihen.

Gespielt wird mit Ballons, die auf zarten Plexiständern stehen. Sie lassen sich senkrecht verschieben und rasten in verschiedenen Höhen ein. Man kann niedrig, mittelhoch oder sehr hoch fliegen und jederzeit wieder landen. Die Höhe kann der Spieler selbst wählen. Die Windrichtung allerdings wird für die drei Flughöhen unterschiedlich von Anzeigeklötzen bestimmt. Vor jedem Zug wird eine Karte gezogen, die die Windrichtung beeinflußt. Da hat man sich nun gerade eine Höhe zurechtgelegt, in der der Wind den Ballon in die gewünschte Richtung zu treiben scheint, und dann jagt eine Bö das luftige Gefährt ganz woanders hin. Aber mit diesen Schwierigkeiten allein ist es noch nicht getan. Zu allem Überdruß muß eventuell noch ein Postsack mitgeschleppt und auf einem vorgegebenen Punkt abgeworfen werden.

Die Regeln werden, schnell verstanden, weil sich das Spielprinzip fast von selbst erklärt. Rasch lernt man, mit Gasflaschen und Ballast umzugehen. Wirft man einen Sandsack ab, so steigt der Ballon um eine Stufe. Gibt man hingegen eine Gasflasche auf, so sinkt der Ballon. Anfangs treibt man etwas hilflos durch die Gegend und glaubt, daß nur der blinde Zufall ein Vorwärtskommen ermöglicht. Doch bald lernt man, etwas strategisches Geschick in die Flugvorbereitung einzubringen. BALLONRENNEN ist ein Spiel, das eine Spielerrunde im Flug erobert.

Tom Werneck

BALLONRENNEN von Eric Solomon, Otto Maier Verlag, Marktstraße 22–26, 7980 Ravensburg. 2–5 Personen. Durchschnittliche Spieldauer: 45 Min. bis 1 1/2 Stunden. Preisempfehlung ca. DM 39,–