Im Fremdenverkehrsgewerbe sind Kinder oft Stiefkinder

Von Ferdinand Ranft

Viele unserer Mitbürger glauben, wir lebten in einer informierten Gesellschaft – das Gegenteil ist der Fall. Unsere Informationen sind auf den meisten Gebieten oberflächlich, lückenhaft, ja sogar fehlerhaft. Und die Informationswege laufen zudem noch falsch. Sehr viele Menschen werden von Informationen, die für sie bestimmt und die für sie wichtig wären, gar nicht erreicht.

Das Thema „Familie und Ferien“ ist ein Musterbeispiel für diesen Zustand. Weder weiß die Öffentlichkeit in unserem Lande, daß Familien mit Kindern im Verhältnis zu kinderlosen Familien oder Alleinstehenden nur sehr spärlich am allgemeinen Urlaubsboom teilhaben, noch sind die Familien mit Kindern über diejenigen Ferienangebote, die ihnen vielleicht helfen könnten, ausreichend informiert. Aber kinderreiche Familien benötigen gerade heute mehr denn je Urlaubsrat und Urlaubsinformation. Schließlich haben sie das gleiche Recht wie alle anderen auf Erholung, Entspannung, auf Ferienreisen und Urlaubsvergnügen.

In der Bundesrepublik gibt es insgesamt rund elf Millionen Familien mit Kindern (nach der Volkszählung von 1975), und zwar:

  • 4 966 000 Familien mit einem Kind,
  • 3 752 000 Familien mit zwei Kindern,
  • 1 486 000 Familien mit drei Kindern und
  • 818 000 Familien mit vier und mehr Kindern.

Familien mit Kindern benötigen in erster Linie finanziellen Rat für ihre Ferien, denn ein gemeinsamer Urlaub mit der ganzen Familie ist für Normalverdiener schier unerschwinglich. Die Reiseveranstalter bieten meist nur für Kleinfamilien mit einem Kind besondere Ermäßigungen an, Familien mit drei und mehr Kindern (und das sind bei uns immerhin über zwei Millionen Familien) sind mehr oder weniger auf sich selbst angewiesen. Es ist außerordentlich bezeichnend für die Einstellung zur Familie in unserem Lande, daß in einigen der in jüngster Zeit errichteten und sich als besonders familienfreundlich gerierenden Ferienzentren ausschließlich Wohneinheiten für Familien mit zwei Kindern vorgesehen sind. Von der Familienfeindlichkeit großer Teile des Hotel- und Gaststättengewerbes ganz zu schweigen. Aber die Ferienunterkunft ist nun einmal ausschlaggebend für die Preisgestaltung des Familienurlaubs.