Kritische Meinungen westlicher Korrespondenten in der Bundeshauptstadt

Von Gunter Hof mann

Bonn, im September

W er sind diese notorischen Kritiker, die jetzt ins Schußfeld vieler deutscher Zeitungen geraten und, die den Spiegel, die Frankfurter Rundschau, Die Welt und die FAZ gleichermaßen in Rage bringen? Krausköpfe voller Ressentiments? Einäugig, wenn nicht blind?

Lieblingsthema der linken und linksliberalen, aber auch der konservativen Auslandspresse sind: die „politische Hexenjagd“ in der Bundesrepublik, „polizeistaatliche Methoden“ bei der Bekämpfung des Terrorismus, bis hin zum Vorwurf der „Isolationsfolter“; Intoleranz und Gesinnungsschnüffelei als Folgen des Radikalenerlasses; die Hitlernostalgie und die schlummernden Gefahren von rechts. Bei konservativen Blättern kommt anderes hinzu, um das Deutschlandbild zu prägen: Die Wirtschaftsmacht Bundesrepublik und le Feldwebel Helmut Schmidt. Die große angelsächsische Presse macht da eine Ausnahme: Sie berichtet fair und ohne unfreundliche Zwischentöne.

Auf die Idee vom „häßlichen Deutschen“ könnten nur Deutsche kommen, ärgert sich Jan Luijten, der seit sieben Jahren für den einflußreichen linkskatholischen De Volkskrant (Amsterdam) aus Bonn berichtet. Er sitze hier, „um über deutsche Probleme zu schreiben“, nicht nur über Schau- und Schokoladenseiten und schon gar nicht verallgemeinernd über die Deutschen.

Wenn sie den „häßlichen Nazi“ meinten, hätten sie nicht heimlich pauschal alle Deutschen im Sinn, beteuern mit leidenschaftlicher Überzeugung Lela Gatteschi (Paese Sera) und ihr Mann, Francesco Bruneiii, vom Mailänder Corriere della Sera. Seit 15 Jahren beschreiben sie deutsche Fragen aus Bonn und sprechen von dieser Zeit mit einer gewissen Liebe. Rechnen sie verzerrend mit dem Land ab, wo immer sich Gelegenheit biete:? Sie kritisieren Mißstände, auch Überbleibsel ans der Vergangenheit, wollen den „kranken Finger“ beschreiben, wie Lela Gatteschi sagt, weil es wichtiger sei, als das darzustellen, was fraglos in Ordnung ist. Im übrigen wüßten sie zwischen Heinrich Böll und der National- und Soldatenzeitung, zwischen Brandt und Strauß sehr wohl zu unterscheiden.