Von Hildegard Hamm-Brücher

40 Millionen Mark mehr für „Auswärtige Kulturpolitik“ stellt die Bundesregierung 1978 bereit. Die in den letzten Jahren von den Regierenden etwas stiefmütterlich behandelten Kulturbeziehungen der Bundesrepublik zum Ausland sollen so neuen Aufwind erhalten. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch dieser Woche ein Konzept über die zukünftige Gestaltung der Auswärtigen Kulturpolitik verabschiedet. Ob sich das Bild vom „häßlichen Deutschen“ im Ausland korrigieren läßt oder sich unausrottbar einfrißt, hängt auch von der Qualität und Wirkung der nach außen gerichteten Kulturpolitik ab. Andere Länder waren da bisher in ihrer Selbstdarstellung geschickter als die Bundesrepublik – vielleicht hatten sie es aber auch leichter. Hildegard Hamm-Brücher, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, beschreibt, wie Auswärtige Kulturpolitik neu belebt werden kann.

Als ich Anfang dieses Jahres von Bundesaußenminister Genscher beauftragt wurde, die vom Deutschen Bundestag geforderte „Stellungnahme der Bundesregierung zum Enquête-Bericht Auswärtige Kulturpolitik“ vorzubereiten, war ich überrascht und beeindruckt, daß von Dieter Sattler über Ralf Dahrendorf bis zum Bericht der Enquete-Kommission eine Fülle richtiger Erkenntnisse und Vorschläge zusammengetragen worden war. Was fehlt war die polifische Willensbildung und ihre Umsetzung in zielbewußtes Handeln.

Nach dem Studium des Vorhandenen war ich deshalb überzeugt, daß eine glaubwürdige Auswärtige Kulturpolitik zunächst „zu Hause“ beginnen müßte.

  • Aus der Fülle wertvoller Vorarbeiten mußte eine klar begründete stimmige und realitätsbezogene Konzeption entwickelt werden,
  • gleichzeitig müßte versucht werden, ihre schrittweise aber konsequente Realisierung einzuleiten und dabei vor allem die bisher nicht ausreichend berücksichtigten organisatorischen, inhaltlichen und personellen Begleitmaßnahmen auf den Weg zu bringen,
  • für beides mußte von Anfang an Verständnis und Unterstützung, also Rückhalt im Parlament und in der Öffentlichkeit gesucht werden.

Also: keine neuen hochfliegenden Konzepte verkünden, keine unerfüllbaren Hoffnungen wecken, keine utopischen Forderungen (inklusive Geld) stellen, sondern einen neuen Anlauf nehmen, bei dem die übereinstimmenden Grundlagen der Reformansätze aufgegriffen und zu einem realistischen Konzept zusammengefügt, neuerliche Fehleinschätzungen aber vermieden werden.

Aus dem großen Komplex der Auswärtigen Kulturpolitik, ihrer Aufgaben, Bedingungen und Ziele möchte ich hier drei mir zum besseren Verständnis wichtig erscheinenden Fragen herausgreifen: