In diesen Wochen und Monaten droht sich mitten im Wohlstand, ja sogar ausgerechnet in einer wirtschaftlichen Situation, in der die Bevölkerung hierzulande im privaten und öffentlichen Bereich mit Materiellem üppiger ausgestaltet ist, als in allen vorangegangenen Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten, über alles Wirtschaftspolitische eine lähmende Sorge, ja Ratlosigkeit auszubreiten.

Wir haben zwar einen enorm hohen materiellen Wohlstand. Aber wir haben auch eine hohe Arbeitslosigkeit, eine Million Arbeitslose,

Schwere Last bringt die anhaltende Arbeitslosigkeit vielen. Die schwerste Last bringt sie den jungen Menschen, die zwar umgeben von sattem Wohlstand leben, ihn zum Teil auch mitgenießen, und dennoch nicht wissen, wo sie ihren Platz im Erwerbsleben suchen sollen, ja zum Teil daran zu zweifeln beginnen, ob sie überhaupt einen ordentlichen, sie befriedigenden Platz finden werden.

So wird denn auch mit der Dauer der Zeit, die verstreicht, bis der Druck einer derart umfangreichen, die Betroffenen frustrierenden Arbeitslosigkeit wieder beseitigt ist, und mit der Art und Weise, wie die Überwindung dieser Arbeitslosigkeit gelingt, zugleich über wesentliche Züge unserer ganzen künftigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung mitentschieden werden.

Deshalb rückt die FDP Saar, zur Mitwirkung an der Programmarbeit der gesamten Bundespartei aufgerufen, ihre in einzelnes gehende Stellungnahme zum Thema „Arbeitslosigkeit“, das in den bislang vorliegenden Programmentwürfen nur allgemein umrissen wurde, an die erste Stelle. Sie sieht in der anhaltenden Arbeitslosigkeit die härteste Herausforderung, vor die die Konzeption einer modernen Sozialen Marktwirtschaft bislang gestellt worden ist.

Soziale Marktwirtschaft heißt für Liberale:

  • Im Hinblick auf die beiden Hauptkomponenten allen gemeinsamen Wirtschaftens der „Produktion“ und der „Verteilung“ von Gütern und Leistungen können „gesellschaftlich erfüllte“ persönliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit am besten erreicht und gesichert werden, wenn der Staat
  • den Produktionsprozeß (nach demokratischer Aufstellung eines zielbewußt geplanten Rahmens von privatrechtlichen Gestaltungskompetenzen und öffentlich-rechtlichen Handlungsverboten) möglichst weitgehend jenem System dezentraler Entscheidungen durch unmittelbar erfolgs- und mißerfolgsbeteiligte Personen anvertraut, das man als Steuerungssystem der Preise, des Marktes und des Wettbewerbs bezeichnet,
  • sich mit öffentlich-rechtlichen Handlungsgeboten (die stets unerläßlich sind, damit das Verteilungsergebnis sozial wird und sozial bleibt) tunlichst darauf beschränkt, denjenigen Personen, die im Produktionsprozeß viel erwirtschaften, aufzuerlegen, „angemessene“ Teile davon an die Personen abzugeben, die unverschuldet dazu nicht imstande sind –, wobei in der Bestimmung der „Angemessenheit“ solcher Auflagen gesichert bleiben muß, daß Leistung sich lohnt, daß überdurchschnittliche Leistungen materiell und immateriell honoriert werden.