Wohnmobil Tabbert Imperator, 600Das Hotel im Auto

Wie bewährt sich der neue VW-Camper auf einer Deutschland-Testfahrt?

Von Werner Dageför

Wer heute die mehr oder weniger ausgetretenen Pfade des Massentourismus verlassen, wer ohne jegliches Programm reisen will, wer. sich nur von momentanen, vorher nicht voraussehbaren Eingebungen leiten lassen möchte, blättert in den Katalogen der Touristikunternehmen vergeblich. Aber auch die Reise im eigenen Auto verspricht keine befriedigende Lösung, denn die Suche nach einem Zimmer, das erstens schön und zweitens frei ist, wird – vor allem in der Hochsaison – oft langwierig.

Also was tun? Wir stießen schließlich auf eine Anzeige, die nicht weniger verhieß als „Die große Freiheit“. Mit diesem Slogan wirbt die Wohnwagen-Firma Tabbert für ihr Reisemobil mit dem klangvollen Namen „Imperator 600“. Solche Kompaktwohnung auf Rädern könnte, so schien es uns, den gestellten Anforderungen vielleicht gerecht werden.

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Da der Kaufpreis (bei kompletter Ausstattung rund 50 000 Mark) das Jahresgehalt eines gut verdienenden Angestellten leicht überschreitet, entschieden wir uns, das Gefährt nur für die Dauer des Urlaubs auszuleihen. Das kostet dann (je nach Saison und Größe des Reisemobils) rund 500 bis 1000 Mark pro Woche, ohne Kilometerbegrenzung: Ein wohlgestaltetes Paket Urlaub zum Anfassen, rund sechs Meter lang, 205 Zentimeter breit und knapp drei Meter hoch.

Das erste Abenteuer kam schneller als uns lieb war. Es bestand im wesentlichen darin, das Ungetüm sicher durch den Rush-hour-Verkehr einer deutschen Großstadt zu lenken. Doch schon nach wenigen Kilometern hatten wir uns mit den ungewohnten Ausmaßen zurechtgefunden und waren selbst überrascht, wie gut wir mit den übrigen Verkehrsteilnehmern mithalten konnten.

Dieses Gefühl bekam allerdings an der ersten Steigung auf der Autobahn einen gehörigen Dämpfer. Die 75pferdige Kavallerie des VW-Motors hatte doch erhebliche Mühe, den Dreitonner die Anhöhe hinaufzuwuchten. Auf ebener Strecke bestanden dagegen keine Schwierigkeiten, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern zu erreichen. Die gebotenen Fahrleistungen genügten uns jedenfalls vollauf, da wir ohnehin nicht vorhatten, Hunderte von Kilometern auf dem Betonband zurückzulegen.

Was ist schon eine noch so großzügig ausgebaute Kriechspur gegenüber einer geschwungenen, schlanken Apfelbaum-Chaussee? Daß es auf. manchen deutschen Landstraßen heute mehr Schlaglöcher als Asphalt gibt, stört dabei überhaupt nicht. Solchen Anforderungen an die Fahrkunst waren wir allemal gewachsen.

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  • Quelle DIE ZEIT, 28.10.1977 Nr. 44
  • Schlagworte Hotel | Auto | Afrika | Bodensee | Hamburg | Hessen
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