Karriere ohne Studium
Von der Schule in die Praxis / Von Ute Naumann
Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Düsseldorf ist dagegen. Das Bildungsministerium in Bonn ist dafür und gibt sogar Geld. Ob dagegen oder dafür – der Kontroverse um die „Firmensonderausbildung für Abiturienten“ fehlt es an Schärfe. Denn die Probleme dieser Ausbildungsform sind – gemessen an anderen, handfesteren Streitpunkten in der Bildungspolitik – marginal.
In diesem Jahr werden 200 000 studienberechtigte Abiturienten die Gymnasien verlassen und sich um die vorhandenen Ausbildungsplätze bewerben. Wer nicht nur studienberechtigt, sondern auch studienwillig ist, muß mit Enttäuschungen rechnen. 50 000 Abiturienten werden sich vergebens um einen Platz an den Hochschulen bewerben.
Die relativ neue Firmensonderausbildung für Abiturienten hat jährlich Platz für 4000. Etwa 200 Unternehmen in der Bundesrepublik haben in den letzten Jahren Initiative ergriffen und Nachwuchsförderung auf ihre Art ganz gezielt angepackt.
Die Erfolgsquote ist sehr hoch
Geplant wurde die neue Ausbildungsform von einigen großen Wirtschaftsunternehmen (BASF, Henkel, Hoechst, Daimler, Bosch, Standard Elektrik Lorenz) bereits in den sechziger Jahren. Zwei Gründe spielten dabei eine Rolle: Die Universitäten entließen mit Theoriewissen vollgestopfte Akademiker, die in der Praxis noch einmal ganz von vorn anfangen mußten. Zum anderen hatte die Bildungswerbung in jenen Jahren dazu geführt, daß kaum noch Abiturienten direkt von der Schulbank weg eine Ausbildung in der Wirtschaft anstrebten, obwohl viele Unternehmen um Gymnasiasten warben. Die Angebote damals waren freilich auch nicht sehr attraktiv.
Weit wesentlicher war allerdings die Tatsache, daß es Mitte der sechziger Jahre noch keine Warteschlangen vor den Hochschulen gab. Die 57 000 studienberechtigten Abiturienten des Jahres 1964 hatten kaum Probleme, im Fach ihrer Wahl Studienplätze zu bekommen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Infolge der geburtenstarken Jährgänge, die in die Ausbildung drängen, wird sich die Situation bis in die achtziger Jahre hinein noch drastisch verschärfen.




