Traumland hinter dem Horizont
Mit welchen Erwartungen reisen unverheiratete Frauen in den Urlaub? / Eine Studie von Horst Hechmann
Aussagen von einer Frankfurter Podiumsdiskussion über die gesellschaftliche Stellung der unverheirateten Frau: „Wir sind ja nur Menschen bis sechs. Solange braucht man uns im Büro, am Arbeitsplatz. Dort sind wir gefordert, gefragt, ja bisweilen sogar Mittelpunkt. Und nach Feierabend? Einsamkeit – Fernsehen – ein Buch. Wenn man Glück hat, mal eine Einladung.“ Oder: „Der Urlaub wird zur Station einer permanenten Sehnsucht und Hoffnung. Aber unser Traumland liegt wohl zumeist hinter dem Horizont...“
Statistische Werte: Jede dritte Frau in der Bundesrepublik ist unverheiratet; ledig sind 2 850 000, verwitwet 4 504 000 und geschieden 817 000 Damen über 20 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland. Summa summarum: 8 171 000. Der Darmstädter Jaeger Verlag untersuchte das Reiseverhalten dieser Gruppe unserer Gesellschaft. 55,6 Prozent aller Frauen ohne Ehemann unternahmen 1977 eine Urlaubsreise, mehr als viereinhalb Millionen.
Natürlich reisen „alleinstehende“ Frauen nicht unbedingt allein. In der „Twen-Gruppe“, also der 20- bis 29jährigen, lassen sich 28 Prozent von einem Freund begleiten und fast ebenso viele (27,5 Prozent) von Freundin oder Freundinnen, 12,5 Prozent schließen sich Bekannten oder Verwandten an. Unter den jungen Damen haben wir es also nur zu etwa 30 Prozent mit „echten Einsamen“ zu tun.
Dieses statistische Bild verschiebt sich bereits in der Gruppe der 30- bis 39jährigen. Hier überwiegt der Anteil der in Gesellschaft von Freunden und Bekannten reisenden Damen, aber immerhin noch 23 Prozent starten mit festem Freund, 20 Prozent mit einer oder mehreren Freundinnen und zwei Prozent mit den Kindern. Bleibt ein 29-Prozent-Anteil von tatsächlich Alleinreisenden.
Der statistische „Einsamkeitswert“ erreicht bei den 40- bis 49jährigen seinen Höchststand – 54 Prozent bleiben hier ohne „Anschluß“ beim Start. Noch 52 Prozent sind es bei den 50- bis 59jährigen. Mit Eintritt ins Rentenalter verschiebt sich dann das Bild: Die älteren Damen haben weitgehend den Kontakt zu Gleichgesinnten oder einer Gruppe gefunden, der Anteil echter Einsamkeit reduziert sich wieder auf ein Viertel. Somit pendelt sich die Zahl der Frauen, die ihre „schönsten Wochen im Jahr“ ohne jede Begleitung verbringen, bei rund 42 Prozent ein.
Die Zielwahl der unverheirateten Urlauberinnen weicht vom Durchschnittskurs der deutschen Ferienreisenden ab. Während durchschnittlich jeder zweite deutsche Urlauber im eigenen Land bleibt, sind es bei den ledigen Touristinnen nur 40 Prozent. Nach Österreich reisen 14,5 Prozent, Spanien 11,1, Italien 9,6 Prozent.
Der Anteil der Deutschland-Urlauberinnen liegt bei den jüngeren Jahrgängen nur bei zehn Prozent. Je älter die Damen werden, um so mehr gewinnt das eigene Land an Beliebtheit. Der Mut, Sprachbarrieren zu überwinden, die Sehnsucht nach Ferne nimmt mit dem Alter rapide ab.



