Die heterologe Insemination wirft noch viele Probleme auf

Von Margrit Gerste

Janis Hetherington und ihre Freundin Judy gehören zu jenen zwölf Frauen, die vor einigen Wochen in britischen Zeitungen Schlagzeilen machten, das Volk und die Politiker erregten, und zwar deswegen, weil sie lesbisch sind und einen Sohn haben. Er heißt Nicky, ist sechs Jahre alt, „perfectly normal – ganz normal“ und sehr intelligent. Wer Nicky nach seinem Vater fragt, dem sagt er: „Ich habe keinen“, und Janis ergänzt: „Nicky weiß, daß er ein Wunschkind ist und geliebt wird.“ Natürlich hat er einen „Erzeuger“, doch den kennt nicht einmal seine Mutter, denn Nicky ist durch künstliche Befruchtung entstanden, durch heterologe Insemination.

Einen Arzt zu finden, der die Insemination durchführte, war nicht leicht. Zunächst hielt man Janis schlicht für verrückt. Dann aber fand sie zwei Psychiater, die sie vier Monate lang testeten und ihr bescheinigten, daß sie durchaus bei Verstand und in der Lage sei, ein Kind aufzuziehen. Sie fand auch einen Arzt, der ihr mit dem Inhalt eines Reagenzgläschens den Wunsch nach einem Kind erfüllte; Was sie noch nicht fand, ist das Verständnis der Öffentlichkeit.

Konservative Politiker rufen nach einem Gesetz, das „solche Praktiken“ verbietet. Sie sagen, ein Kind müsse in einer „normalen“ Umgebung, mit einem Vater, aufwachsen. Doch etwa eine viertel Million britischer Kinder wächst in sogenannten, unvollständigen Familien heran, und von der Mehrheit der Gesellschaft wird alles, was die Scheidung einer Ehe erleichtert, als Reform begrüßt – ähnlich wie bei uns. Bedenkenswerter scheint, was eine Kinderpsychologin meint: Wenn die Gesellschaft auch Lesbierinnen und Homosexuellen gegenüber toleranter geworden sei, würden diese doch nicht akzeptiert. Und das wird die Kinder stark belasten.

Doch was sich innerhalb einer „lesbischen“ Familie abspielt, bleibt vorerst Spekulation. Denn es sind nur solche Familien untersucht worden, in denen Frauen vorher verheiratet waren und die Kinder noch in einer heterosexuellen Ehe geboren wurden. Michael Rutter vom Londoner Institut für Psychiatrie meint indessen: „Die Kinder wachsen in einer lesbischen Familie ganz normal auf. Was zählt, ist die Qualität der Beziehung, die Stabilität, Liebe und Aufmerksamkeit, die das Kind erfährt. Jede andere Feststellung ist ein Vorurteil.“

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