Wende in Rhodesien
Nun ist also der Vertrag zwischen Rhodesiens weißem Ministerpräsidenten und den drei schwarzen Nationalistenführern tatsächlich unterschrieben: Am 31. Dezember dieses Jahres wird das Land unabhängig. Es ist gelungen, majority rule – also die Rechte der Schwarzen – zu garantieren und gleichzeitig die Interessen der Weißen sicherzustellen. Zum erstenmal in der Geschichte Afrikas könnte jetzt eine gemischtrassige Gesellschaft entstehen. Ob die ersten Schritte zur Verwirklichung dieses Vorhabens – also die allgemeinen Wahlen – durchgeführt werden können, das freilich hängt von den Kämpfern ab, die sich zum verschärften Kampf rüsten und denen die Sowjets neuerdings Panzer und Stalinorgeln geliefert haben.
Eile ist geboten. Darum sind die drei schwarzen Führer auch sofort nach London und Washington aufgebrochen, um dort für Anerkennung zu werben und für Aufhebung des Boykotts. Aber England und Amerika zögern. Weder lehnen sie ab, noch stimmen sie zu. Sie warten einfach ab, vielleicht, um sich am Ende auf die Seite der Gewinner – entweder der Frontstaaten und der Guerilla oder Rhodesiens – zu schlagen.
Inzwischen besteht Andrew Young, der US-Unterhändler, weiterhin darauf, daß die rivalisierenden Führer Nkomo und Mugabe, die in Sambia sitzen und über den Einsatz von 10 000 Guerrilleros entscheiden können, dem Vertrag beitreten sollen. Schon einmal, 1949, in der Endphase des Bürgerkriegs in China, verlangten die Amerikaner, die Nationalchinesen sollten mit den Kommunisten gemeinsam die Regierung bilden – das war dann das Ende Tschiang Kaischeks. Man kann nur hoffen, daß die Europäer den Direktiven Youngs nicht folgen, sondern alles tun, um den neuen Vertrag abzustützen.
Dff.






