Vermarktetes Abenteuer

von Brigitte Zander

Die Zeit, in der Informationen über die billigsten Übernachtungsmöglichkeiten beispielsweise in Alma-Ata oder die Pistenbeschreibung von Kuba nach Khartoum wie ein Geheimtip gehandelt wurden, ist längst dahin. Viele routinierte Globetrotter haben den Trend zum Weltenbummeln mit Landrover oder Rucksack erkannt und begonnen, ihr Wissen zu vermarkten.

Das Geschäft mit der unkonventionellen Reisern blüht. Ein Gradmesser für das steigende Interesse am Weltenbummeln ist die „Deutsche Zentrale für Globetrotter“ (DZG), die 1974 von der Hagenerin Ludmilla Tüting gegründet wurde und inzwischen schon weit über 700 Mitglieder zählt. Um den Andrang der Bewerber zu drosseln, plant die DZG-Chefin bereits, demnächst die Aufnahmebedingungen zu verschärfen. Bislang müssen Kandidaten lediglich nachweisen, daß sie mindestens drei Monate auf eigene Faust durch außereuropäische Länder gereist sind. (Jahresbeitrag: 20 Mark.)

Die DZG (1000 Berlin 61, Mittenwalder Str. 7) funktioniert als Reise-Informations-Börse. Über die Klubzeitschrift werden Tips gehandelt und aktuelle Erfahrungsberichte weitergegeben, Reisepartnersuch- und Verkaufsanzeigen (für gebrauchte Daunenschlafsäcke oder günstige Geldgürtel beispielsweise) veröffentlicht, die im Selbstverlag erschienenen Reiseführer vertrieben und die kommenden „Feten für Profi-Trotter und Bummelaspiranten“ angekündigt.

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Andere Fernwehsüchtige haben mit ihrem unterwegs geschossenen Filmmaterial Photoagenturen aufgezogen oder bieten sich als Privatorganisatoren kleiner Urlaubsexpeditionen für routenunkundige Zeitgenossen an.

Besonderer Nachfrage erfreut sich der Ausrüstungshandel. Wer Moskitonetze, Wasser-Entkeimungstabletten, Sandbledie, Sdilangenbißsätze mit Saugpumpe, Buschmesser, Wüstenhüte der englischen Armee oder Klappspatenhacken sucht, wird im bundesdeutschen Fachhandel ebenfalls von ehemaligen Abenteurern bedient. Dazu gehören der Südwest-Versand in Ulm, der Globetrott-Shop Tesch in Aachen-Kornelimünster und Därr’s Expeditions-Ausrüstung in Heimstetten.

Die Kundenkartei von Dürr umfaßt bereits 16 000 Adressen und der Warenkatalog 40 Seiten. Pro Jahr verkauft das Unternehmen allein 2000 Treibstoffkanister und 500 Aluminium-Luftlandebleche an Wüstenfabrer.

Eine ähnliche Verkaufs- und Informationszentrale unterhält der Aachener Diplom-Ingenieur Bernd Tesch: Etwa 30 Handbücher und Skripte umfaßt inzwischen seine deutschsprachige Bibliothek für ungewöhnliche Reisen. Feuilletonistische Impressionen liest man in diesen Kompendien nicht; die Wegweiser beschreiben nüchtern die Strecken, Herbergen, Transportmöglichkeiten und Verpflegungssituationen; sie schildern Behördenprobleme und Ausrüstangsbedingungen und liefern Kostenkalkulationen.

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