Und Gott lächelt, wenn sie spielen

Sexualität und persönliche Entfaltung – kein Mensch ist zu jung für die Liebe

Von Sigmund Kripp

Eltern, Erzieher, Lehrer, Kirchen haben Angst vor der Sexualität der Jugendlichen. Diese Angst führt zur Ignorierung der Sexualität junger Menschen und zu akrobatischen Denkübungen, um vom Erwachen der Sexualität bis zur Heirat Enthaltsamkeit zu begründen. Da die Sexualität nicht vom Menschen getrennt betrachtet werden kann, wird hier nichts anderes als eine Menschseinpause verlangt.

In der Regel ist ein Jugendzentrum eine Insel in einem Meer von gesellschaftlichen und institutionellen Konventionen. Von drei Gruppierungen, die sich in einem solchen Zentrum zeigen, soll im Folgenden die Rede sein.

Anzeige

Da sind die Pubertierenden. Sie haben sich zu einem Klub zusammengeschlossen. 35 Jugendliche, zwischen 13 und 17 Jahren, Jungen und Mädchen. Sie haben einen eigenen Raum, ihren Raum. Es geht zeitweise zu wie in einem Rudel junger Hunde. Sie balgen sich, beschnuppern sich, streiten sich und küssen sich.

Die Clique hat gemeinsam die Sexualität entdeckt. Jeder seine eigene und dazu auch die der anderen. Von der Entdeckung des eigenen Körpers, durch eine homoerotische Phase, bis hin zur heterosexuellen Beziehung, hat sich die Entwicklung des einzelnen innerhalb der Gruppe vollzogen. In einer Atmosphäre des Spaßes, des Spiels und der Unbefangenheit. Aber auch in einer Atmosphäre, die Grenzen setzt. So wurde es der Gruppe zuviel, als ein 13jähriges Mädchen von allen abgeknutscht wurde. Einhelliger Beschluß: Sie soll von der Gruppe ausgeschlossen werden. Von einem Sozialarbeiter aufmerksam gemacht, daß das Problem doch nicht nur beim Mädchen läge, antwortete einer: „Ich kann ihren großen Brüsten einfach nicht widerstehen.“ Man einigte sich dann doch auf gegenseitige Zurückhaltung, und schließlich.-sollte das Mädchen klären, mit wem sie nun gehe. – –

Hauptschüler und Lehrlinge sprechen in derberer Sprache direkter aus, was Jugendliche aus „besseren Familien“ und mit „höherer Schulbildung“ verklausulierter und andeutungsweise ausdrücken. Doch in der Einstellung zur Sexualität besteht kein Unterschied.

Der Unterschied besteht zum Verhalten der Öffentlichkeit. Die richtet Bordelle ein, läßt Pornozeitschriften und Sexkinos zu und tut so, als gingen nur die anderen hin, als müsse man die Jugend davor schützen. Der Jugend gesteht sie Freiraum zu, solange sie das Verhalten in diesem Freiraum nicht zur Kenntnis nehmen muß. Jugendliche entwickeln ihre eigenen Schutzmaßnahmen, die viel besser funktionieren, als der bewahrende Schutz durch Verbote.

Service