Von Wolf gang Faigle

Teufelszeug oder harmlose Arbeitshilfe für den Förster? Um das Wuchsstoff-Herbizid 2,4,5-T ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Herbizide sind Unkraut-Bekämpfungsmittel; deren größte und wichtigste Gruppe sind die Wuchsstoff-Herbizide, so genannt nach ihrer Wirkungsweise. Sie greifen in den Stoffwechsel der Pflanzen ein und regen sie meist zu einem intensiven, aber ungeregelten Wachstum an. Die Pflanze wächst sich buchstäblich zu Tode. „2,4,5-T“ ist die gängige Kurzbezeichnung für ein bestimmtes Wuchsstoff-Herbizid, die 2,4,5-Trichlor-phenoxy-essigsäure. Weil sie im Gegensatz zu den meisten anderen Herbiziden auch gegen Sträucher und andere holzige Unkräuter wirkt, wird sie, in Form ihrer Salze und Ester, besonders im Forst eingesetzt.

Im Jahr 1973 veröffentlichten dreißig Professoren unter Führung des angesehenen Freiburger Forstwissenschaftlers Gustav Wellenstein ihre „Gemeinsame Erklärung unabhängiger Wissenschaftler zum Einsatz chemischer Unkrautbekämpfungsmittel“. Es heißt dort, die „toxikologische Bedenklichkeit“ einiger Herbizide sei „einwandfrei nachgewiesen“, am besten solle im Wald auf chemische Mittel zur Unkrautbekämpfung ganz verzichtet werden.

Das öffentliche Aufsehen, das diese Erklärung hervorrief, war beträchtlich, und entsprechend scharf war die Reaktion der Hersteller. Worte wie „ungeheuerlich“ und „verwerflich“ fielen. Die damals bis Ende 1974 befristete Zulassung von 2,4,5-T wurde verlängert.

„Flucht aus der Verantwortung“

Im August 1977 trat die Landesanstalt für Ökologie des Landes Nordrhein-Westfalen mit einer „Dokumentation zur Gefährlichkeit von 2,4,5-T – insbesondere von Tormona – im Wald“ an die Öffentlichkeit. („Tormona“ ist einer von mehreren Handelsnamen für 2,4,5-Thaltige Präparate.) Hier wurden bewußt fast ausschließlich Stimmen gegen die Anwendung von 2,4,5-T zusammengetragen, weil sie „bisher zu wenig zu Wort gekommen“ seien. 2,4,5-T sei auch bei „sachgerechter Anwendung“ gefährlich, besonders, wenn es vom Hubschrauber aus eingesetzt werde, hinterlasse unvertretbar hohe Rückstände im Wildbret, auf Beeren und in Pilzen, gefährde außerden Fische, Bienen und andere Tiere und zerstöre über dies die vielfältigen Lebensräume lichter Laub-Niederwälder. Die Biologische Bundesanstalt (BBA) veröffentlichte gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsamt im April dieses Jahres eine „Stellungnahme“ dazu, wonach der Einsatz von 2,4,5-T der Menge nach unbedeutend und im übrigen, sofern „sachgerecht“, völlig ungefährlich sei.

NRW-Landwirtschaftsminister Dieter Deneke nahm daraufhin seine Anstalt in Schutz und warf Biologischer Bundesanstalt wie Bundesgesundheitsamt „Hilflosigkeit“, „Rechthaberei“ und „Flucht aus der Verantwortung“ vor.