Fünf Jahre Ruhe

Metall-Runde ein Modell?

Von Michael Jungblut

Die Tarifrunde 1979 wurde von der IG Metall mit einem Trommelwirbel eröffnet und nun – zumindest für ihren Bereich – mit einem Pianissimo beendet. Nachdem die Metaller sechs Wochen lang mit den Stahl-Arbeitgebern erbittert um einen, Einstieg in die 35-Stunden-Woche gerungen hatten, verpflichteten sie sich zunächst im Tarifbezirk Hessen und dann auf Empfehlung ihres Vorstandes bundesweit, dieses Thema für fünf Jahre zu den Akten zu legen. Dafür handelten sie sich von den Arbeitgebern einen Stufenplan ein, der den Beschäftigten in der Metallindustrie bis 1982 sechs Wochen Urlaub und für dreizehn Monate 4,3 Prozent Lohnerhöhung bringen wird.

Die IG Metall kann jetzt natürlich darauf verweisen, daß sie schon immer gesagt habe, die Verkürzung der Arbeitswoche sei eine „stahltypische“ Forderung. Dem steht allerdings entgegen, daß sich die Metaller die 35-Stunden-Woche auf ihrem letzten Gewerkschaftstag ins Programm geschrieben haben, wenn auch gegen den Willen des Vorstandes.

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Wichtig ist aber nur, daß die IG Metall nicht aus Dogmatismus und Rechthaberei nun auch in anderen Tarifbereichen einen Streit um kürzere Wochenarbeitszeit angezettelt hat, sondern dem längeren Urlaub den Vorzug gab. Dies bringt den Arbeitnehmern eine spürbarere Verbesserung als ein paar Arbeitsstunden weniger pro Woche, die sie dann doch nur im nächsten Verkehrsstau wieder verlieren. Mehr Urlaub ist auch nach Ansicht der meisten Ärzte vorzuziehen, führt noch am ehesten zu einer Entlastung des Arbeitsmarktes und entspricht im übrigen den Wünschen der großen Mehrzahl der Arbeitnehmer.

Nun wird sich allerdings zeigen müssen, ob die Berufstätigen auch dann zu ihrer Meinung stehen, wenn die eigene Brieftasche davon betroffen ist. Wer weniger arbeiten möchte, muß sich mit seinen Einkommenswünschen etwas zurückhalten. Auch eine Verlängerung des bezahlten Urlaubs schlägt sich bei den Unternehmen in Mark und Pfennig als Kostenerhöhung nieder. Für die Lohntüte bleibt daher entsprechend weniger übrig. Die Tariflöhne in der Metallindustrie steigen denn auch – aufs Jahr umgerechnet – nur um 3,97 Prozent.

Das erscheint mager gegenüber den 11,9 Prozent, die von den Gewerkschaften 1974 im Durchschnitt erzwungen wurden, oder gar gegenüber den 13,7 Prozent des Jahres 1971. Doch von diesen spektakulären Zuschlägen hat schließlich die Inflation einen großen Teil wieder weggefressen, während „die rasche Stabilisierung des Preisniveaus den Arbeitnehmern in den letzten Jahren mehr als einmal einen unerwarteten Reallohnanstieg gebracht hat“, wie der Sachverständigenrat feststellt.

Eine solche Chance besteht auch in diesem Jahr. Die nach dem lärmenden Arbeitskampf in der Stahlindustrie unerwartet moderaten Tarifabschlüsse der Metaller lassen auch in anderen Branchen eine Lohnrunde der Vernunft erwarten. Die Inflation erhält von den Löhnen her dann keine neue Nahrung, und als Bleigewicht für den Aufschwung wird sie auch niemand bezeichnen dürfen. Noch ist allerdings nicht gewiß, ob alle Gewerkschaften dem von der IG Metall abgesteckten Kurs folgen – Heinz Klunckers ÖTV ist für Überraschungen immer gut – und ob nicht wieder Währungskrisen oder andere Störungen des Weltmarktes uns einen Strich durch die Wachstumsrechnung machen.

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