I. Die Zentralisten der großunternehmerischen Konzentration, der behördlichen Planungsbürokratien, die Anhänger von „Gesamt“-Institutionen wie Gesamtschulen und -Hochschulen, von Großverbänden und Großgewerkschaften ziehen natürlich an einem Strang: an der Vermehrung der individuellen Unselbständigkeit der Menschen, an der Verstärkung seiner Abhängigkeit als organisatorisch und sozial Betreuter, an der sogenannten „Rationalisierung“ seiner Arbeit durch technische oder didaktische Normierung und an der Verschulung seines beruflichen Alltags. Man muß dies einmal deutlich sehen, daß heute der rationalisierende und unternehmenskonzentrierende Industriemanager, der zentralisierende staatliche Planungsbürokrat, der Gewerkschaftsboß und der Curricula und Rahmenpläne entwerfende Pädagoge in einer Front stehen, nämlich die Veruriselbständigung des Menschen weiterzubetreiben, mit welchen betreuenden ideologischen Programmen und Motiven dies auch geschieht.

II. In der Tat liegt die Entscheidung, die heute und für die nächsten Jahrzehnte in der Bundesrepublik und darüber hinaus im demokratischen Westen ansteht, in der Frage, ob die Bewahrung der Freiheit der Person oder die Vervollkommnung der sozialen Gerechtigkeit als dringlicher angesehen werden muß.

III. Die realistischen Fragen heißen: Hält man bei uns die soziale Gerechtigkeit für gefährdeter oder die freie Selbstbestimmung der Person? Nach welcher Seite ist die immer notwendige Balance des freiheitlichen Sozialstaates verschoben und welches Gewicht muß man in den Wahlen verstärken: das der gerechteren Verteilung des Sozialprodukts oder das der selbständigeren Bestimmung des eigenen Lebens gegenüber bürokratischen und sonstigen sozialen Vormundschaften? Ist mehr Selbständigkeit oder mehr Betreuung erforderlich, wobei das erste mehr persönliches Risiko, das zweite mehr obrigkeitliche oder vorgesetzte Reglementierung als Nachteile mit sich bringt?

IV. Wer heute älter wird und sich auf die jungen Planer der sozialen Gerechtigkeit verläßt, begibt sich sehenden Auges in eine moderne Form der Sklaverei. In Wirklichkeit ist ein politisches Programm, das den Drang der Systemüberwindung mit einem universalen Sozialbetreuungstrend und der Geldinflation koppelt, wahrscheinlich die modernste Form der Inhumanität gegenüber dem arbeitenden Menschen.