Die Filialen, so lautete der Plan des jungen Kaufmannes, sollten in dichten Wohngebieten eingerichtet werden, eine gleichartige Ausstattung müßte sie leicht kenntlich machen, Wen – ge, aber wichtige Waren sollten angeboten werden, und sie sollten von immer gleichmäßiger Qualität sein. Und schließlich müßten auch die Preise der Kaufkraft einer breiten Käuferschicht entsprechen.

Diese Konzeption für die Errichtung einer Einzelhandels-Filialkette hat bis heute nichts an Aktualität verlorer. Doch sie wurde schon Ende des letzten Jahrhunderts wickelt – und in die Tat abgesetzt. Der junge Kaufmann Josef Kaiser war 1880 in kleine Kolonialwarengeschäft seines Vaters Hermann im niederrheinischen Viersen eingetreten. Doch die erste Neuerung im väterlichen Geschäft galt einer Ware, die bis dahin noch von den Hausfrauen selbst weiterverarbeitet worden war: Er röstete für seine Kundschaft den Bohnenkaffee. Josef Kaisers Produkt, das er auch über Land verkaufte, kam so gut an, daß er schon 1882 eine größere Rösttrommel in Betrieb nehmen mußte.

In dieser Zeit wurde die wirtschaftliche Situation in der alten Weberstadt Viersen wegen der Umstellung auf mechanische Webstühle schwierig. Da reifte bei Josef Kaiser der Plan, Filialen auch in anderen Gegenden zu eröffnen. Im Jahre 1885 ging er auf die andere Rhein-Seite, wo die Schwerindustrie gerade ihre große Zeit hatte. Kaiser eröffnete Läden in Duisburg, Essen und Bochum – der Beginn, einer rasanten Expansion.

Nach dem Tode des Vaters Hermann im Jahre 1890 übernähmen zunächst dessen vier Kinder gemeinsam das väterliche Unternehmen. 1899 wurde die Offene Handelsgesellschaft Hermann Kaiser in die „Kaiser’s Kaffeegeschäft GmbH“ umgewandelt; Geschäftsführer: Josef Kaiser. 1905 umfaßte das Unternehmen bereits 1000 Filialen, 1913 waren es 1370 Filialen und knapp 4000 Mitarbeiter.

Das Einzelhandelsunternehmen, das neben dem in eigenen Röstereien hergestellten Kaffee, neben Schokolade, Kakao und Tee auch das volle Sortiment eines „Kolonialwarengeschäfts“ führte, sollte nach dem Willen von Josef Kaiser nicht nur Markenware anbieten, sondern in den Augen der Käuferschaft selbst zur „Marke“ werden. Der Kaufmann ließ sich für seine Geschäfte ein Markenzeichen entwickeln: die lachende Kaffeekanne, ein Entwurf von Paul Böhm, Berlin. 1904 wurde die Marke beim Deutschen Patentamt in München angemeldet.

1914 wurde sie von Professor Peter Behrens in Berlin dem Zeitgeschmack angepaßt. Diese Form wurde seither nicht mehr verändert.

Gunhild Freese

Bisher erschienen: Mercedesstern, Shellmuschel, Oetkerkopf, Lufthansakranich, Kruppringe, Hoffmanns Katze, Solinger Zwilling, Pelikan, Rolls-Royce-Kühlerfigur, Reemtsma-Wikingerzeichen, Salamander, Original Hanau, Odolflasche, 4711.