Nun schießen sie doch nicht – noch nicht – die Indochina-Flüchtlinge von ihren Küsten fort, zurück aufs Meer. Doch was geschieht, wenn der große Exodus anhält, wenn sich die Flut menschlichen Elends weiter über ihre Länder ergießt? Malaysia, Thailand und Hongkong haben bereits mehr Flüchtlinge aufgenommen, als es in ihren Kräften steht. 350 000 Menschen überfüllen die Lager, suchen verzweifelt eine neue Heimat. Doch nur einigen Tausend gelingt die Ausreise. Unterdessen kommen Monat um Monat mehr als 50 000 Chinesen aus Vietnam und dessen Satelliten Laos und Kambodscha hinzu. Wie soll sich Südostasien dieser Invasion erwehren? Die Thais haben schon über 40 000 Kambodschaner in ihr verwüstetes Land und in eine ungewisse Zukunft zurückgeschickt. Über 12 000 Flüchtlinge sind von Malaysia wieder auf hohe See gejagt worden. Andere Staaten, Singapur, Indonesien und Japan, lassen die Bootsflüchtlinge in ihren zerbrechlichen Nußschalen gar nicht erst an Land.

Es ist ebenso leicht wie heuchlerisch, sich über solche Hartherzigkeit zu empören. Doch warum sollten eigentlich die armen Staaten der Dritten Welt generöser sein als die reichen Staaten des Westens? Wäre es nicht eher an der Zeit, so viel zu tun, wie möglich – also mehr als bisher? Mit Klagen ist weder den Flüchtlingen geholfen noch den Ländern, in denen sie Zuflucht suchen. Auch der Ankauf einer unbewohnten Insel im Pazifik ist keine Lösung. Es wäre absurd anzunehmen, dort könnten zwei Millionen südostasiatische Chinesen, von denen die Mehrzahl der städtischen Mittel- und Geschäftsschicht angehört, sinnvoll angesiedelt werden.

Eine dauerhafte Lösung kann nur gefunden werden, wenn die Ursachen beseitigt werden. Es ist nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, es liegt auch im Interesse der Sicherheit, Hanoi – und seinen großen sowjetischen Verbündeten – zu drängen, auf die Massenaustreibung zu verzichten. Solange Vietnam fortfährt, seine chinesische Minderheit systematisch ins Meer zu treiben, kann es keinen Frieden geben. Vy.