Die Atempause für die Konsumenten scheint endgültig vorüber zu sein /

Von Andreas Kohlschütter

Genf, im Juni

Es sah so aus wie die Reprise eines altbekannten Schauspiels, das auf derselben Bühne, in unveränderter Kulisse und mit denselben Akteuren schon vor einem Jahr dargeboten wurde. Kaum waren die Ölminister der dreizehn Opec-Staaten ihren kühlen Rolls-Royce-, Cadillac- und Lincoln-Kabinen entstiegen, begann in den schwülen Wandelhallen des Genfer Intercontinental-Hotels das gewohnte Drängeln und Drücken. Über 300 Journalisten aus aller Welt rissen und rauften sich wie Gladiatoren um klärende Aussagen der Öl-Imperatoren. Würden sie ihre Daumen nach oben oder nach unten kehren?

Libyens Ölminister, Ezzedin Ali Mabruk, wurde beim Gang um den Swimming-pool von der Medienmeute beinahe über den Rand des Beckens gestoßen. Sein ölpreisorakel von 27 Dollar pro Faß ließ die Stoßrichtung der radikalen Preistreiber im Opec-Lager erkennen. Aus nigerianischem Munde wurde sogar ein Betrag von 40 Dollar genannt. Und der schulterklopfend gutgelaunte Iraner, Cyrus Ebrahimzadeh, bezifferte die Öl-Wünsche der islamischen Revolution auf 25 Dollar.

Heftig bedrängt, bekannte sich Iraks Ölminister, Tayeh Abdul Karim, zur Mäßigung: „Wir sind gegen die Hochspringer, und wir werden es wohl schaffen.“ Dem Rotschopf war nur Ungefähres zu entringen, ein neu vereinheitlichter Grundpreis irgendwo in der 17- bis 20-Dollar-Zone. Das entsprach auch den Vorstellungen Mana Said Oteibas aus Abu Dhabi, während Kuwaits Ali Khalifa Al Sabah, der Mittler zwischen Radikalen und Konservativen, eine Einigung unter 20 Dollar für „unmöglich“ hielt.

Tanz ums goldene Kalb