Geirangerfjord, 0. 10 Uhr

Das Deck der „Royal Viking Sea“ ist leer. Die Passagiere sind entweder in der Bar oder im Bett, in jedem Fall aber hinter zugezogenen Vorhängen. Denn draußen ist es selbst zur Mitternacht noch taghell während der Sommerwochen. Die Mitternachtssonne, die das Nordkap von Mitte Mai bis Ende Juli rund um die Uhr beleuchtet, ist südlich des Polarkreises zwar kurz hinter dem Horizont eingetaucht. Aber dennoch bleibt es taghell in Norwegens Fjordenlandschaft. Dann läuft diese Küste an, was in Kreuzfahrerkreisen Rang und Namen hat. In den weißen Nächten nimmt das Wikingerland eine Parade der schönsten Passagierschiffe ab, um Ende Juli wieder den langen skandinavischen Nächten entgegen zu dämmern. Das Gedränge der schmucken

Luxusliner vor ihren schroffen Felsen können die Wikinger-Nachfahren verstehen, schließlich wissen sie um die Reize ihrer Heimat. Daß aber Besucher lediglich kommen, um nachts die Sonne sehen zu können, verstehen die Nordländer nicht so recht. Es sei doch dieselbe Sonne, die auch tagsüber am Himmel stehe, meinen sie prosaisch. Folglich schütteln sie die Köpfe, wenn gar Deutsche in 14 Charterflügen für vier Nachtstunden unter der Mitternachtssonne zweitausend Kilometer bis hinauf nach Tromsö und zurück fliegen. Da lohne es sich schon eher, die Nordlichter zu begucken, denken die Norweger. Und deren Touristikvertretung in Hamburg will sogar einen Versuch mit einer Nordlichttour machen. Vielleicht schon im nächsten Januar. K. V.

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